Den Komfort gibt es gratis dazu

vom 29.02.2012

SHOEZ-Interview mit Rainer Bachl

Mit Gabor Comfort erzielt die Gabor Shoes AG derzeit sehr gute, über dem Schnitt liegende Zuwächse. Wir sprachen mit Rainer Bachl, Leiter Geschäftsbereich Gabor Comfort über Gründe für den Erfolg, Vertriebsstrategien und neueste Trends im Komfortschuh-Segment.

1. SHOEZ: Wie erklären Sie sich, dass gerade Ihre Marke so enorme Zuwächse und so gute Abverkäufe erzielt?

Bachl: Die Gründe für unseren Erfolg sehe ich in folgenden Punkten: Wir bieten Modelle in Mehrweite (G/H), die man nicht sieht (Modellerie), sind modisch aktuell, unsere Schuhe haben viel Zusatzausstattung für noch mehr Tragekomfort, z.B. herausnehmbare Wechselfußbetten in sportlichen und auch in eleganten Schuhen wie Pumps, besondere Macharten (z.B. echt Mokassin), viel Funktion und last but not least realisieren wir dank jahrzehntelanger Erfahrung eine hervorragende Passform.

2. SHOEZ: Erzielen Sie diesen Erfolg vor allem in  Deutschland oder ist Gabor Comfort  international genauso erfolgreich?

Der Erfolg ist international ebenso groß. Mehrweite ist im Ausland für unser Fabrikat schon immer ein besonders starkes Thema.

3. SHOEZ: Sehen Sie Ihre Mitbewerber mehr bei den modischen Marken oder mehr bei den komfortlastigen Labels?

Beim Kauf von Schuhen erwarten die Kunden grundsätzlich optische Aktualität. Zugenommen hat die Erwartung, dass das Schuhwerk auch bequem sein muss.


4. SHOEZ: Wodurch unterscheiden sich die Gabor Comfort Modelle bzw. die Kollektionsphilosophie von anderen  Bequemschuhfabrikaten? Oder anders gefragt, wie viel mehr Weite und Komfort finden die Kunden bei Ihnen?


Gabor Comfort bietet die Weiten G und H, damit haben wir ein Angebot für den Großteil aller Mehrweitenträgerinnen. Noch größere Weiten überlassen wir den Bequemschuh- bzw. den Orthopädie-Lieferanten.

5. SHOEZ: Mit welchen technischen Entwicklungen sind Sie derzeit am Markt und womit ist in Zukunft noch zu rechnen?


Wir bieten bereits eine breite Palette an Ausstattung und Technik an. Bewährte Funktionselemente werden wir weiter verfeinern und in mehr Schuhtypen zum Einsatz bringen.

6. SHOEZ: Sind Ihre Hauptabnehmer überwiegend der Facheinzelhandel oder, da Ihre Ware ja eine modische Aussage hat, die leichter zu verkaufende Bequemschuhware in den Kauf- und Warenhäuser?

Überwiegend der Facheinzelhandel.

7. SHOEZ: Gibt es für Gabor Comfort einen eigenen Vertrieb?

Ja, in Deutschland haben wir einen eigenen Außendienst für Gabor Comfort.

8. SHOEZ: Man spricht derzeit viel von den Onlineshop-Erfolgen von Zalando, Amazon uä. Verkauft sich Ihr Produkt über diesen Vertriebsweg genauso wie z.B. Gabor fashion?

Der Erfolg im Onlinehandel ist ebenso groß wie beim stationären Handel.

9. SHOEZ: Reine Winterware ist ja nicht der Verkaufshit in der laufenden Saison und es ist in diesem Bereich nicht mit Zuwächsen zu rechnen. Wie werden Sie versuchen, die daraus entstehende Vorverkaufslücke zu schließen?

Grundsätzlich ist Gabor Comfort kein Anbieter mit besonders hohem Anteil reiner Winterware.

Wir passen unser Angebot aber natürlich der modischen Nachfrage an und bieten mehr Stiefeletten und Halbschuhe, neue Farben (z.B. eine schöne Bandbreite von Brauntönen), neue Materialien, mehr Pumps (auch in Weite H), betonte Böden, hochwertiges Finish.

Bewährte und nachgefragte Funktionselemente, wie z.B. Wechselfußbetten, kommen in noch mehr Schuhtypen wie auch in Keilschuhen oder Stiefeletten und werten so das Angebot weiter auf.

10. SHOEZ: Was sind für Sie wichtige Themen in der kommenden H/W -Saison?

Braun- und Rottöne, Stiefeletten, Pumps, neue sportive Schuhtypen.

11. SHOEZ: Gehört zu Ihrem Komfort-Konzept auch das Thema „Nachhaltigkeit“?


Nachhaltigkeit ist Bestandteil der allgemeinen Gabor Unternehmensphilosophie. Es wird bei Gabor Comfort ebenso streng umgesetzt, wird aber nicht speziell hervorgehoben oder beworben.

Nachhaltigkeit hat verschiedene Facetten und bedeutet für uns z.B.
-    Verantwortung in der Beschäftigung,
-    Ausbildung des eigenen Nachwuchses,
-    umweltfreundliche Produktion,
-    schadstofffreie Materialien,
-    Standards, die oft über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus gehen,
-    Verhaltenskodex für Lieferanten,
-    Gesellschaftliche Verantwortung an allen Standorten.

12. SHOEZ: In Ihrem Bereich fällt auch das Konzept „rollingsoft“. Haben diese „Wackelsohlen“ noch eine Berechtigung oder war es eine Welle, deren Zenit überschritten ist?

Der Höhepunkt ist wohl überschritten, aber für ein eigenständiges Angebot, das sich vom Wettbewerb differenziert, sehe ich weiter Berechtigung. Für rollingsoft heißt das, dass wir

a) funktionell einen alternativen Ansatz verfolgen: rollingsoft vermittelt ein spürbar anderes Laufgefühl durch leichteres Abrollen, gleichzeitig sorgen seitliche Stabilisatoren für reduzierte Gefahr des Umknickens und

b) modische Kompetenz in diese Produktkategorie einbringen.


13. SHOEZ: Sprechen Sie heute mit Komfortschuhen eine andere Zielgruppe an als vor einigen Jahren?

Wir stellen fest, dass unsere Schuhe zunehmend wegen ihrer Optik gekauft werden und nicht, weil die Kundin explizit ein Mehrweitenmodell suchte. Die Bequemlichkeit bekommt die Kundin dann gratis dazu. Anders herum benötigen oft auch jüngere Kundinnen mehr Weite und wollen modische Schuhe tragen, die sie bei Gabor Comfort finden.


14. SHOEZ: Gibt es eine spezielle Zielgruppen-Ansprache für die Gabor  Comfort-Kundin?

Grundsätzlich ist unsere Werbestrategie eine Dachmarkenstrategie, d.h. es wird die Marke Gabor beworben, nicht einzelne Submarken wie z.B. Comfort.

Wir bewerben jedoch zusätzlich verschiedene Passformkonzepte aus unserem Haus mit eigenständigen Werbemitteln, denn das ist unsere Stärke und dafür steht Gabor: Gabor = gute Passform.