Durchbruch bei Karstadt-Sanierung

vom 22.02.2015

Kaufhauskonzern entlässt deutlich weniger Mitarbeiter als geplant

Karstadt ist am 21. Februar mit Unterstützung einer Einigungsstelle ein gemeinsamer Kompromiss mit Gesamtbetriebsrat und Verdi gelungen, teilte das Unternehmen mit. Damit sei man bei der Sanierung einen entscheidenden Schritt weiter gekommen und liege „hundertprozentig im Zeitplan der erforderlichen Sanierung“.

Es würden wie geplant spezialisierte Serviceteams für die Warenversorgung gebildet, damit sich die Mitarbeiter im Verkauf auf die Beratung der Kunden konzentrieren könnten. Dabei setzt Karstadt auf Freiwilligkeit und Fluktuation. Änderungskündigungen und Abgruppierungen werde es dagegen nicht geben. Dennoch könne Karstadt damit „wirtschaftlich vertretbar seinen Beratungs- und Serviceanspruch massiv ausbauen“.

Durch sozialverträgliche Maßnahmen, die in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern im Vorfeld durchgeführt worden seien, habe die Zahl der noch zu entlassenden Mitarbeiter bereits erheblich gesenkt werden können. Für die verbleibenden Entlassungen einigte sich Karstadt mit dem Gesamtbetriebsrat auf die Einrichtung einer Transfergesellschaft, um von Kündigung betroffene Mitarbeiter bestmöglich weiterzuqualifizieren. Damit würde im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestaltet. "Wir sind mit dem Ergebnis unter den gegebenen Umständen sehr zufrieden", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hellmut Patzelt nach dem Abschluss der Gespräche. Dem Betriebsrat sei es in den Verhandlungen mit der Konzernspitze gelungen, die Zahl der geplanten Kündigungen - etwa durch Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen - fast zu halbieren: von 2750 auf 1400. Zusätzlich zur Schließung von sechs Standorten mit insgesamt 350 Beschäftigten soll nach Betriebsratsangaben gut jede zehnte Stelle in den Filialen und jede vierte in der Zentrale abgebaut werden.

Das Karstadt-Management hatte nach der Übernahme des Traditionskonzerns durch den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko harte Einschnitte angekündigt. Dies sei unverzichtbar, um dem Großteil der Mitarbeiter eine Zukunftsperspektive zu geben. Karstadt kämpft auch unter Benko mit Umsatzrückgängen.

Am kommenden Dienstag sollen nun die Tarifverhandlungen für die Karstadt-Beschäftigten fortgesetzt werden.