Flip-Flops am Steuer sind nicht verboten

vom 30.07.2013

Autofahrer haben aber Sorgfaltspflichten zu beachten.

Besonders im Sommer möchten viele Menschen ihre Füße nicht in beinahe luftdichte Schuhe einsperren. Es geht aber das Gerücht um, dass Autofahrer eine Strafe riskieren, wenn sie in Flip-Flops auf das Gaspedal treten. Da ist nichts dran – zumindest meistens. Droht Autofahrern tatsächlich eine Strafe, wenn sie hinter dem Steuer sitzend lediglich Flip-Flops tragen oder gar barfuß Gas geben? Zahlt die Kfz-Versicherung keinen Cent, wenn diese dann einen Unfall verursachen? Diese Fragen sind auf den ersten Blick nicht leicht zu beantworten. Denn der Gesetzgeber regelt an keiner Stelle der Straßenverkehrsordnung, welche Schuhe beim Autofahren getragen werden müssen, schreibt das Vergleichsportal Verivox.

Allerdings müssten Autofahrer gewisse Sorgfaltspflichten beachten. In anderen Worten: Sie müssen sich im Straßenverkehr so verhalten, dass niemand gefährdet oder geschädigt wird. Was aber bedeutet das für die Bekleidung der Füße? Einige Gerichte haben sich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt. Das Oberlandesgericht (OLG) Bamberg zum Beispiel kam zu dem Schluss, dass das falsch besohlte Fahren gegen ebendiese Sorgfaltspflichten verstoße (Aktenzeichen: 2 Ss OWi 577/06). Folge habe das für den Fahrer jedoch nur im Ernstfall.

Schärfere Regeln für Berufsfahrer

Denn eine Strafe oder ein Bußgeld kommt laut dem OLG Bamberg auf den Autofahrer erst zu, wenn er einen Unfall verursacht hat, dessen Ursache nachweislich die falschen Schuhe gewesen sind. Das wiederum gilt jedoch nur für Menschen, die privat mit ihrem Auto unterwegs gewesen sind.

Strengere Richtlinien müssen Autofahrer beachten, die den PKW zu beruflichen Zwecken nutzen. Sie sind den Unfallverhütungsvorschriften verpflichtet und müssen demnach hinter dem Steuer einen Schuh tragen, der den Fuß umschließt. Tun sie das nicht, können sie auch belangt werden, wenn sie keinen Unfall verursacht haben.

Zahlt die Versicherung?

Und wie reagiert die Unfallhaftpflicht, wenn aufgrund der falschen Fußbekleidung ein Schaden entsteht? Die Versicherung komme für den Schaden des Unfallopfers auf, schreibt Verivox. Egal ob der Verursacher Flip-Flops oder nur Socken trägt oder gar barfuß gefahren ist. Eine Vollkaskoversicherung könne die Regulierung des Schadens am Auto des Unfallverursachers jedoch ganz oder teilweise verweigern. Nämlich dann, wenn der Fahrer grob fahrlässig gehandelt hat.

Das ist der Fall, wenn er selbst einfache Überlegungen zur Schadensvermeidung nicht angestellt, seine Sorgfaltspflichten also in einem ungewöhnlich hohen Maße vernachlässigt hat. Wann ist das der Fall? „Ob es sich beim Tragen von Flip-Flops um eine grobe Fahrlässigkeit handelt, muss im Zweifel die Justiz klären“, sagt Verivox-Geschäftsführer Ingo Weber. „Auf der sicheren Seite sind Autofahrer, wenn der Versicherungsschutz den Verzicht auf Einrede grober Fahrlässigkeit beinhaltet.“ Dann zahlt die Versicherung auch in solchen Fällen.

„Dennoch sollten Autofahrer ihr eigenes Wohl und das der anderen Verkehrsteilnehmer nicht unnötig gefährden“, sagt Weber. Um in Gefahrensituationen schnell reagieren zu können, empfehle sich festes Schuhwerk und ein Paar Schuhe zum Wechseln seien schnell im Fahrzeug deponiert.