Bata, ein Schuhmacher erobert die Welt

vom 15.11.2018

arte, 11.12., 23:30-00:45 Uhr

Tomas Bata wurde 1876 in Zlin, im heutigen Tschechien, geboren und war ein Pionier der Globalisierung, bevor es diese überhaupt gab. Er exportierte nicht nur Schuhe, sondern auch eine innovative Lebens-, Arbeits- und Führungsphilosophie in die ganze Welt. Die Dokumentation des slowakischen Filmemachers Peter Kerekes zeichnet ein subtiles Porträt des Unternehmers, stellt seine idealistisch-paternalistischen Grundsätze in direkten Vergleich zur Lebensrealität seiner Angestellten und zieht erstaunliche Parallelen zum modernen Kapitalismus.

Im späten 19. Jahrhundert gründete der Schuster Tomas Bata in Zlin, im heutigen Tschechien, den ersten multinationalen Konzern. Die ganze Welt sollte seine Schuhe tragen! Bata pflegte einen paternalistisch-kapitalistischen Führungsstil, der in Indien, Afrika und Südamerika noch heute sehr verbreitet ist. Sein Erfolgsrezept: hochwertige Schuhe und zufriedene Arbeiter! Er wusste, wie hart die Arbeit seiner Angestellten war. Er schätzte ihr Fachwissen und beteiligte sie am Gewinn, machte sich Gedanken um Arbeitsbedingungen und -umfeld, erwartete aber auch höchsten Einsatz.

1928 war er der weltweit größte Schuhexporteur - doch das reichte ihm nicht ... „Bewegung ist Leben, Stillstand ist Tod“, so lautete seine Devise. Sein Geist war immer wach, er setzte sich hohe Ziele und handelte oft exzessiv.

1932 starb Tomas Bata bei einem Flugzeugabsturz. Sein Bruder Jan Antonin übernahm die Geschäfte. Inspiriert von den Ideen Henry Fords, entwickelte er die Schuhproduktion am Fließband und baute für die Angestellten avantgardistische Industriestädte mit Schulen, Ausbildungsstätten und Sportanlagen. Seine Unternehmenspolitik distanzierte sich bewusst von den herrschenden Ideologien der Zeit (Kommunismus, Faschismus, Anarchismus), bekannte sich aber zu einer globalkapitalistisch-paternalistischen Vision, die den Bata-Angestellten zwar gewisse Privilegien verschaffte, sie aber auch unter ständigen Produktivitätszwang stellte. Wo verläuft die Grenze zwischen Utopie und Totalitarismus? Wie weit darf man in seinem Ehrgeiz gehen?

Die Dokumentation schildert das erstaunliche Schicksal des Schuhmachers und Globalisierungspioniers und hinterfragt dabei auch aktuelle Wirtschafts- und Arbeitsmodelle. Dafür wandelt der slowakische Filmemacher Peter Kerekes in Tschechien, Frankreich, Brasilien, Indien und Kenia auf den Spuren Tomas Batas und liefert nebenbei augenzwinkernde Denkanstöße über Sinn und Zweck von Arbeit.