Deutsches Ledermuseum wird 100

vom 21.03.2017

Mit zwei Sonderausstellungen wird das Jubiläum des Offenbacher Museums gefeiert

Im Jahr 2017 feiert das Deutsche Ledermuseum sein 100jähriges Bestehen mit zwei großen Ausstellungen. Das Museum wurde 1917 von Hugo Eberhardt in der einst florierenden Lederstadt Offenbach am Main ursprünglich als Sammlung von historischen Vorbildern für die Ausbildung junger Designer, Handwerker und Lederwarenproduzenten gegründet. Bis heute konnten mehr als 30.000 Objekte aus allen Kulturen und Epochen zusammengetragen werden, die sich auf drei Sammlungsbereiche – der Angewandten Kunst, der Ethnologie und des Deutschen Schuhmuseums – aufteilen. Damit ist das Deutsche Ledermuseum das weltweit einzige Museum, das ausschließlich alles rund um das Material Leder sammelt und präsentiert.

Im Jubiläumsjahr wird gezeigt, über welche Schätze das Deutsche Ledermuseum verfügt – zum Teil noch verborgen in den Magazinen – und wie sich die Macher die Zukunft des Museums vorstellen. Zwei Ausstellungen laden ein, die Vielfalt des Materials Leder und die Qualität der Sammlungsobjekte zu entdecken – von klassischen Lederwaren über herausragende Einzelwerke bis hin zu neuesten Objekten aus artverwandten Materialien.

Linking Leather – Die Vielfalt des Leders (17. März bis 22. Oktober 2017)

Zum Auftakt wird seit dem 17. März 2017 die Ausstellung Linking Leather – Die Vielfalt des Leders präsentiert, eine multimediale, interaktive Installation, die sich ganz dem Material Leder widmet. Leder ist einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit, der von allen Ethnien, von Urzeiten bis heute zum Schutz und zu unterschiedlichstem Gebrauch wie auch zum Schmücken und Verzieren genutzt wird. Rindsleder, Lammleder, Nubuk, Velours oder Ananasleder – der Vielfalt sind kaum Grenzen gesetzt. Lederarten unterscheiden sich nicht nur in ihrem Ausgangsmaterial, der Tierhaut, sondern auch in der Gerbmethode, die eine unterschiedliche Optik und Haptik entstehen lässt.

In der interaktiven Installation haben die Besucher die Möglichkeit, sich mit der Materialität des Leders vertraut zu machen. Die multimediale Ausstellung mit mehreren Projektionsflächen wird durch das Herantreten des Besuchers aktiviert. An verschiedenen Stationen können über Gestensteuerung Text und Bilder aufgerufen werden, durch die sich assoziativ weitere Inhalte erschließen. So werden nach und nach verschiedene Lederarten und -techniken in einen größeren Kontext eingebunden und spielerisch erklärt. Welche unterschiedlichen Arten von Leder gibt es? Was sind die bekanntesten Gerbverfahren, und seit wann werden sie angewandt? Welche veganen Lederalternativen gibt es, und wie steht es in der Lederindustrie um das Thema Umweltschutz? In verschiedenen Themenbereichen können sich die Besucher durch die Welt des Leders bewegen. Daneben laden Fühlstationen dazu ein, Lederarten zu berühren und sie in ihrer Vielfalt kennenzulernen.

Die Präsentation wird in enger Kooperation mit Studierenden unter Leitung von Prof. Frank Zebner, Design Innovation Institute Offenbach, an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach entwickelt. „Die Ausstellung ist ein wichtiger Schritt zur Umwandlung des Deutschen Ledermuseums in ein Museum des 21. Jahrhunderts und dient als Versuchsfeld für die Einbettung modernster Medien bei der zukünftigen Neuausrichtung des Museums. Hier werden zum einen neueste Techniken eingesetzt, zum anderen werden die Besucher eingeladen, die verschiedenen Lederarten über alle Sinne zu erleben, um dieses wunderbare Material auf neue Weise kennenzulernen“, so Dr. Inez Florschütz, Direktorin des Deutschen Ledermuseums.

100 Jahre Deutsches Ledermuseum (16. September 2017 bis 25. Februar 2018)

Die zweite Ausstellung im Jubiläumsjahr eröffnet am 15. September 2017. Hier stehen herausragende Sammlungsobjekte mit ihrer individuellen Geschichte und Beschaffenheit im Zentrum. In jedes Objekt, gleich welcher Ethnie, Herkunft oder Zeit, ist die Entstehungszeit und Kulturgeschichte gleichsam eingeschrieben. Daneben entwickeln sich spannende Dialoge und Querverweise zwischen den Werken: So trifft das älteste Objekt der Sammlung, ein ägyptisches Gefäß aus Rohhaut, auf das neueste, einen Turnschuh aus recycelten Materialien. Die Hutschachtel von Johann Wolfgang von Goethe wird zusammen mit den Hausschuhen von Ulrike von Levetzow, Goethes letzter (unerfüllter) Liebe, gezeigt. Im Deutschen Ledermuseum begegnen sie sich jetzt erstmals. Jedes Ausstellungsobjekt erzählt seine eigene Geschichte und verbindet sich gleichzeitig mit unserem Blick aus der Gegenwart. Das bietet vielseitige Anknüpfungspunkte zu den Anschauungen und Lebenserfahrungen der Besucher.