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Die letzte Cravatière

vom 11.03.2014

NDR, 11.03., 13:00-13:30 Uhr

Wenn jemand über sie sagen würde, „sie raubt Männern den Atem“, wäre für Jessica Bartling beruflich gesehen irgendetwas schief gelaufen, denn ihre Krawatten reißt sich keiner gleich nach dem Geschäftstermin entnervt vom Hals. Darauf ist die Hamburger Manufakturchefin stolz. „Sprungelastisch“ heißt das Zauberwort und „Handarbeit“.

Selbst auf dem Fernseh-„Traumschiff“ tragen die Schauspieler Qualitätskrawatten, gefertigt in Hamburg-Altona. Jessicas Mann Dirk hat die Ausstatterin der Serie mit einer Kreation aus dem Hause „Laco“ überzeugt. Er ist Fotograf und über die Hälfte des Jahres in der Welt unterwegs. Für Jessica Bartling heißt das: Sie muss die meiste Zeit alleine für den zehnjährigen Jona sorgen. Neben dem Vollzeitjob im Betrieb: fünfzehn Mitarbeiter, zwei Kollektionen im Jahr. Muster, Stoffqualität, Design - alles muss stimmen. Fehlgriffe kann eine kleine Manufaktur wie "Laco" sich nicht leisten.

Alle paar Monate fährt Jessica Bartling zur Stofforder nach Norditalien. Aber schon im Flugzeug stellt sie fest: Immer weniger Männer tragen Krawatten. Dazu kriselt es bei ihren Lieferanten. In den vergangenen Jahren konnte die Designerin quasi zuschauen, wie es mit der italienischen Seidenindustrie bergab ging. Schon jetzt kann sie oft nicht so schnell nachliefern, wie ihre Kunden es verlangen. 1905 hatte „Laco“ noch 500 Mitarbeiter.

Sie ist stolz, dass es die Firma noch gibt. Die meisten Textilunternehmen produzieren längst in Südostasien. Für Jessica Bartling gehört „Laco“ aber unbedingt nach Hamburg. Der Geruch der frisch gedämpften Seidenstoffe, die üppigen Farben, die Wände voller Stoffballen, Schachteln mit gestickten Etiketten: Schon als Kind war die Krawatten-Manufaktur ihrer Eltern für sie ein Paradies. Trotzdem wollte sie die Firma nie übernehmen. Mode ja, aber Binder und Schleifen nein. Doch während des Modestudiums stellte sie fest: Frauenmode ist ihr zu Chi-Chi. Mal sind die Röcke lang, dann wieder superkurz. Mal neonfarbig, dann wieder nur schwarz in schwarz.

Während eines Praktikums in New York hatte sie dann doch plötzlich mit Krawattendesign zu tun und wurde neugierig. Ein Jahr arbeitete sie in Norditalien in den Seidenwebereien, dann waren die letzten Zweifel beseitigt. Zum 175. Geburtstag von „Laco“ wird Jessica Bartling die Manufaktur endgültig von ihren Eltern übernehmen. Das will sie bei einem Firmenfest feiern. Mit der ganzen „Laco“-Familie. So wie sie es auf den alten Schwarz-Weiß-Fotos zum 100. Geburtstag gesehen hat.