Die Mode der 90er Jahre

vom 14.11.2015

arte, 14.11., 22:05-22:55 Uhr

„Die Mode der 90er Jahre" von Loïc Prigent lässt ein Mode-Jahrzehnt wiedererstehen, dessen vielfältiges Spektrum das kontroverse Lebensgefühl der damaligen Gesellschaft abbildete. In sechs Kapiteln beleuchtet die Dokumentation die Urwüchsigkeit des Grunge, das Diktat des Minimalismus, die vordergründige und allgegenwärtige Sexualität in der damaligen Mode, die Streetwear und ihren Dresscode, die Ästhetik der (un)kontrollierten Entgleisungen sowie Dekadenz und Kitsch des Bling-Bling in den 90ern.

Einerseits waren die 90er die Ära der Topmodels, der jungen, visionären Designer und der großen, dynamischen Modehäuser. Auf der anderen Seite spiegelte diese Periode auch die Zukunftsängste der Menschen wider. Doch auch die hemmungslose Kauflust der Menschen und die allgemeine, fast schon anstößige Euphorie vor dem Hintergrund von Börsenspekulation und platzenden Wirtschaftsblasen kommen zum Vorschein.

Die Dokumentation "Die Mode der 90er Jahre" zeigt, wie wandlungsfähig und vielgestaltig die Kleidung dieser Ära war. Ihre Modeschöpfer waren Anarchos mit Starallüren, sie waren Radikale und Hedonisten. Es gab das Streben nach einer neuen Formensprache und aufdringliche Logos, es gab triumphierende Geeks und schmuddelige Rocker. Die Straßenmode hatte zunächst etwas Unbeschwertes, dann etwas Hochpolitisches; später war die Kleidung von ausgesuchter Neutralität. Geschmacklosigkeit wurde nicht nur in Kauf genommen, sondern intellektualisiert und zur Kunstform stilisiert.

Von konsumfeindlichen Rockern aus Seattle initiiert, verherrlichte der Grunge-Stil das Chaotentum und die Ästhetik von Rock und Bohème. Der von Helmut Lang geprägte Minimalismus setzte auf das Verkaufsargument "Schlicht ist schön" und verzichtete dafür auf Schmuck und Schnörkel. Auch Sex wurde zum Markenzeichen der 90er, zu dem nackte Brüste, Strings und Wonderbras gehörten. Der urbane Lebensstil wurde seinerseits eine Inspirationsquelle für Modeschöpfer und setzte eine Umkehr des Trends ein. Letztlich zeigte sich in dem Bedürfnis nach Protz und offenem Geltungsbedürfnis ein starker Kontrast zum Minimalismus.

Wiederholung

28.11., 01:50-02:40 Uhr