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Kleider machen Deutsche: Von den 68ern zum Mauerfall

vom 16.04.2016

NDR, 16.04., 11:30-12:15 Uhr

Kleider machen Leute, so lautet das Sprichwort. Ist die Frau im kurzen Rock ein Flittchen oder modische Trendsetterin? Ist der Mann mit den langen Haaren und Jeans ein Freigeist oder Gammler? So wie das Outfit eine Persönlichkeit charakterisiert, so spiegeln die Kleidungskonventionen die Gesellschaft.

Was gestern noch skandalös war, mag heute schon betulich scheinen. Kleidung im Spiegel der Zeiten: Die zweiteilige Dokumentation "Kleider machen Deutsche" unternimmt eine Zeitreise vom Nachkriegsdeutschland bis zum Mauerfall. Durch die Jahrzehnte hinweg erzählt sie Geschichten aus dem Alltag der Menschen und verknüpft sie mit den Ereignissen deutscher Geschichte und der gesellschaftlichen Entwicklung.

Deutsche aus Ost und West öffnen Schränke und alte Koffer und zeigen ihre Schätze. Es wird gezeigt, wie Trümmerfrauen zu Stilikonen wurden. Es gibt Begegnungen mit einer der wenigen Privatboutique-Besitzerinnen der DDR, einstigen "Poppern", "Hippies" und "Punkern", denen so mancher Schlipsträger am liebsten die Hosen strammgezogen hätte. Erinnert wird an Seppelhosen, Nyltesthemden und an den Amtseid in Turnschuhen, an schwingende Petticoats, Dederon-Kittelschürzen und brennende Büstenhalter.

Prominente wie Gerit Kling, Manfred Sexauer, Vera Int-Veen, Jens Riewa, Christoph M. Ohrt, Maren Kroymann, Gloria von Thurn und Taxis und Grit Boettcher erzählen von zugeknöpft bis unumwunden, von Kleidung als Symbol von Anpassung oder Auflehnung und von Modetorheiten, die einst chic waren. Stets reflektieren Moden und Sitten dabei die Geschichte Deutschlands: Die Wespentaille und schwingenden Röcke des New Looks machten aus der eben noch ganz handfest zupackenden Trümmerfrau die elegante "Frau an seiner Seite", die praktische Caprihose spiegelt den Aufbruch ins Reisezeitalter wider, der Minirock wird Symbol der sexuellen Revolution, der Abschied von Mieder und BH zum Bild für die Emanzipation der Frau.

Ebenso wie die Unterschiede zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum verwischen, verschwindet die strenge Unterscheidung in der Alltagskleidung der Männer, Anzug und Krawatte für den Angestellten, Blaumann für den Arbeiter, bis Jeans schließlich zur deutschen Universalkleidung werden, für alle Schichten und Lebenslagen.

Jenseits der Mauer ist Mode stets ein Politikum. Die DDR-Führung ringt jahrzehntelang um sozialistisch angemessene und zugleich bezahlbare Kleidung. Dennoch kann sie nicht verhindern, dass die Mode vom Klassenfeind, geliefert via Westpaket, zum heiß begehrten Statussymbol wird. Gleichzeitig bleiben im Osten traditionelle Regeln hinsichtlich "korrekter" Kleidung viel länger erhalten: während die 68er im Westen "alte Zöpfe abschneiden", zieht sich der Osten den Schuh nicht an und trägt weiterhin Kostüm und Anzug.

Archivausschnitte machen vergangene Zeiten lebendig, mit ihren speziellen Problemen und Lösungen: das Pfennigabsatzverbot, das im Wirtschaftswunderdeutschland das Parkett schützen soll. Die Ratschläge des ADAC für Maxirock-Trägerinnen am Steuer. Die Reportage über den ersten Bundeswehrsoldaten, der seine langen Haare nicht abschneiden muss und fortan mit Haarnetz dient. Der Bericht aus dem volkseigenen Betrieb, wo Bison-Nietenhosen den westlichen Jeans Paroli bieten sollen.

"Kleider machen Deutsche" bietet mit einem Blick in die Kleiderschränke in Ost und West Einblicke in die Alltagsgeschichte. Die bunte Revue in zwei Folgen mit emotionalen Interviews, privaten Filmdokumenten, Archivschätzen der ARD und Blicken in viele Fotoalben erzählt von Erfindungsreichtum geboren aus der Not, von Frauenrollen und Männerbildern, von lustigen Modesünden und sentimentalen Erinnerungen.