Laufen bis zum Umfallen: Die Schuhtester von Sachsenhausen

vom 22.02.2016

RBB, 19.03., 18:00-18:30 Uhr

Unsere Schuhe bergen ein dunkles Geheimnis. Viele Materialien und Verarbeitungsformen, die noch heute Verwendung finden, wurden maßgeblich durch brutale Menschenversuche im KZ Sachsenhausen entwickelt. Auf der so genannten „Schuhprüfstrecke“.

Ein düsterer Ort, der bis vor kurzem ein dunkles Geheimnis barg: Die so genannte Schuhprüfstrecke im KZ Sachsenhausen. Hier mussten Häftlinge auf einer speziell angelegten, 700 Meter langen Prüfstrecke, die abwechselnd mit Split, Schotter, Lehm, Schlacke und anderen Straßenbelägen ausgelegt war, bis zu 48 Kilometer am Tag in Testschuhen zurücklegen. Hunderte starben hier den Erschöpfungstod oder durch Folter der brutalen SS-Wachmannschaften. Das so genannte „Schuhläuferkommando“ war daher als Strafkommando unter Häftlingen besonders gefürchtet, war es doch für viele ein Todesurteil.

Erst vor kurzem deckte die Historikerin Anne Sudrow auf: Die Schuhprüfstrecke diente fast der gesamten damaligen Schuhindustrie und ihren Zulieferfirmen dazu, ihre Produkte zu testen und weiter zu entwickeln. Darunter auch solche, die bis heute erfolgreich sind. Der Ort ermöglichte ihnen eine preiswerte Forschung und Entwicklung. Die Testreihen auf der Schuhprüfstrecke sind die einzigen nicht-medizinischen Humanexperimente, die in einem KZ durchgeführt wurden und nur wirtschaftlichen Zwecken dienten.

Heute leben noch fünf Zeitzeugen dieser menschenverachtenden Experimente. Einer von ihnen ist der 93-jährige Joop Snep. Er kam ins KZ, weil er Juden zur Flucht verhalf. Wir treffen ihn in Amsterdam, wo er uns aus seinem bewegten Leben erzählt. Anlässlich der offiziellen Feier zur 70-jährigen Befreiung des KZ kommt er, von seiner Tochter begleitet, noch einmal nach Sachsenhausen. Wie hat er die damalige Tortouren verarbeitet? Wie geht er mit seinen Erinnerungen um? Empfindet er Wut oder gar Hass? UND: Wir fragen nach bei deutschen Unternehmen, deren Vorgängerfirmen ihre Produkte im KZ testen ließen. Sehen sie sich in der Verantwortung? Ein Film, der berührt, erschüttert und empört, aber auch zeigt, dass Versöhnung möglich ist.

Wiederholungen

21.03., 01:00-01:30 Uhr

21.03., 09:00-09:30 Uhr