Meine Welt: Die Meister der "Budapester"

vom 26.06.2014

Arte, 26.06., 06:05-06:30 Uhr

Budafok ist ein kleiner, unscheinbarer Stadtteil von Budapest. Man würde nicht vermuten, dass in einem der Gebäude hier Luxuswaren lagern und hergestellt werden. Jeden Tag kommen 40 Arbeiter hierher, um in ihrer Manufaktur die berühmten Budapester herzustellen. Schuhe, die sich keiner der Arbeiter leisten könnte, doch dank ihrer Handarbeit werden sie zu einem Luxusartikel und kosten 400 bis 1200 Euro pro Paar. In ihr Handwerk und ihr Leben lässt der Film blicken.

Er gilt heute als der älteste und vielleicht beste Schuhmacher Budapests, er ist der König der Schuster: Gyula Szücs, der 1955 in der Schuhherstellung zu arbeiten begann. Ungarns lange Schuhmachertradition reicht bis in die Zeit der k. u. k. Donaumonarchie. Seitdem hat sich hier kaum etwas verändert, die Arbeiter benutzen noch immer die gleichen Werkzeuge. Während der rund 300 Arbeitsschritte sind es seit jeher die gleichen Handgriffe, mit denen Gyula und seine Kollegen die Schuhe fertigen. Gyula liebt es noch heute zu sehen, wie aus bestem Leder die besten Schuhe der Welt werden. Bis einer der rahmengenähten Budapester fertig ist, vergehen acht Stunden. Und Gyula setzt dabei 62 Stiche pro Schuh. So schafft er an einem Tag sechs Schuhe. Die ganze Manufaktur stellt an einem Tag rund 35 Paar her. Verglichen mit der Produktion einer Fabrik ist die Manufaktur nicht konkurrenzfähig. Doch ein Budapester hält bei richtiger Pflege gut 20 Jahre und länger. Im "Raum der Frauen" fertigen die Arbeiterinnen die oberen Teile der Schuhe. Hier werden die charakteristischen Lochungen ausgeführt und die Nähte gestickt. Die Frauen benutzen dazu Maschinen, die uralt, aber bestens dafür geeignet sind. Eine von ihnen ist Ilonka Mészaros. Für sie ist der Schuh mehr als nur ein Produkt, er ist eine Art Kunstwerk. Sogar in ihrer Freizeit näht Ilonka Schuhe. Sie entwirft Sondermodelle für Modenschauen oder originelle Kinderschuhe und fertigt diese. Die Schuhe, die Ilonka und Gyula produzieren, werden in alle Welt geliefert. Die beiden selbst würden Budapest allerdings nie verlassen, zu sehr sind sie mit der Stadt verbunden.