Mit seidenem Faden: Die Textil-Legende Gütermann

vom 19.03.2016

SWR, 19.03., 19:15-19:45 Uhr

Ihre Fäden kommen bei teuren Brioni-Anzügen, Prada-Täschchen oder Armani-Hemden zum Einsatz. Die führenden Mode-Labels verlassen sich auf die Qualität der Schwarzwälder Firma "Gütermann". Genauso die industrielle Produktion. Die "Gütermann-Fäden" spielen eine wichtige Rolle bei der Konstruktion der Tragflächen des A380.

Sie halten Feuerwehranzüge, schusssichere Westen, Formel-1-Rennanzüge und Airbags zusammen. Vor knapp 150 Jahren zog es den Gründer Max Gütermann wegen des weichen Wassers von Wien in das abgelegene Tal der Elz. In Gutach angekommen, gründete er die Nähseiden-Firma "Gütermann". Die Patrone des Unternehmens bauten Villen, einen Golfplatz und das erste Freibad des Tals. Es entstanden Schulen, Kindergärten und ein Krankenhaus. Die firmeneigenen Kraftwerke versorgten die Menschen mit Strom. Der Gutshof brachte die Lebensmittel, und auf den Bergen orientierten sich die Bauern an der Fabriksirene. "Gütermann" prägte Gutach.

Im Jahr 2008 änderte sich die Situation für den Traditionsbetrieb. Ausgelöst durch die Finanzkrise, drohte der Bankrott. Der Aufsichtsrat der Firma entschloss, Ländereien und firmeneigene Villen zu verkaufen. Von dem einstigen Vermögen blieb kaum etwas übrig. Heute blickt man dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft: Die Firma hat überlebt, die Spulen bei "Gütermann" drehen sich weiter.