planet e.: Gift im Container

vom 09.11.2017

ZDFinfokanal, 09.11., 14:15-14:45 Uhr

In deutschen Häfen werden jährlich rund 15 Millionen Container umgeschlagen. Etwa ein Fünftel davon ist mit gesundheits- und umweltschädlichen Gasen belastet. Eine unsichtbare, giftige Gefahr: nicht nur für die Arbeiter, die mit den Produkten der Container in Kontakt kommen, sondern auch für die Verbraucher.

"planet e." geht auf Spurensuche und macht auf fast unbekannte Probleme des internationalen Warenverkehrs aufmerksam. 90 Prozent des weltweiten Güterverkehrs erfolgt mithilfe von Frachtcontainern. Um zu verhindern, dass Ware durch Schädlinge und Schimmelpilze beschädigt wird, werden viele davon in den Herkunftsländern mit hochtoxischen Stoffen wie Phosphorwasserstoff oder Methylbromid begast. Für bestimmte Waren ist das vorgeschrieben, um das Einschleppen von Pilzen und Insekten aus anderen Teilen der Erde zu verhindern.

Allerdings gelten je nach Herkunftsland unterschiedliche Maßstäbe beim Einhalten dieser Regeln, die dadurch verwässert werden. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Während der Container um die halbe Welt reist, entsteht häufig ein gefährlicher Chemie-Cocktail im Inneren. Denn neben den verwendeten, toxischen Begasungsmitteln dünsten viele Waren Industriechemikalien aus. Die Palette an diesen Stoffen ist groß, und es existieren keine Vorschriften zu deren Kennzeichnung. Eine Gefahr für Arbeiter und Verbraucher in Europa.

Containerterminal Hamburg. "planet e." ist mit einem Kamera-Team vor Ort, als ein Messgerät der Zollbeamten Alarm schlägt. Beim Container besteht Vergiftungsgefahr. Dennoch darf er weiterfahren. Container mit Textilien, Schuhen, Elektronikprodukten und Autoteilen sind häufig schadstoffbelastet. Der Zoll untersucht in Stichproben und ist nur für die Sicherheit seiner eigenen Mitarbeiter zuständig. Der Großteil der Importcontainer wird nicht routinemäßig auf gefährliche Gase untersucht. Wer aber von den vielen Logistikern, Händlern und Produzenten nimmt sich dieses Problems wirklich an?

Der Arbeitsmediziner Prof. Xaver Baur beschäftigt sich seit Jahren mit Unfällen durch Containerbegasung und deren medizinischen Auswirkungen auf den Menschen. Er hat verschiedene Studien dazu durchgeführt und berät unter anderem die WHO auf dem Gebiet der Gesundheitsgefährdung durch Importcontainer. Er schätzt die Dunkelziffer der Vergiftungsfälle hoch ein, sowohl bei Arbeitern als auch bei Verbrauchern. Viele der Gase dringen durch die Verpackungen und nisten sich über Wochen und Monate in die Waren ein.

Die Toxikologin Prof. Lygia Budnik vom Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin in Hamburg hat das Ausgasen verschiedener Produkte untersucht. Nahezu alle Schuhcontainer überschritten die Grenzwerte verschiedener giftiger Chemikalien um ein Vielfaches. Wie gefährlich diese Industriechemikalien sein können, zeigt das Beispiel von Arbeitern in Südkorea. Eine Nichtregierungsorganisation hat etwa 300 Fälle von Arbeitern dokumentiert, die an Leukämie oder anderen Krebsformen erkrankten. Sie alle arbeiteten in den Halbleiter- und LCD-Displaywerken der großen Elektronikhersteller. "planet e." begibt sich auf Spurensuche. Wie gefährlich sind die Gase aus den Containern? Welche Risiken bestehen für Arbeiter und Verbraucher?