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Sweet Tweed - Rauer Stoff für feine Leute

vom 13.08.2016

NDR, 13.08., 12:45-13:30 Uhr

Jeden Herbst/Winter hat er wieder Saison, und das seit gut einem Jahrhundert. Ein Stoff, so britisch wie die Queen, Verkörperung von Understatement und gesunder Landluft: der Tweed. Am berühmtesten ist der Harris Tweed, nach seiner Heimat benannt, einer der Hebrideninseln am äußersten Rande Europas.

Charakteristisch für den langlebigen Wollstoff sind die eingesponnenen bunten Fäden, die die Farben der Landschaft wiedergeben: ginstergelb, moornelkenrot, moosgrün, alle Blauschattierungen des Himmels, regengrau und torfbraun. Ursprünglich benutzten die Tweedhersteller nur das, was es auf ihren Inseln gab: die Wolle der schwarzgesichtigen Schafe, Flechten, Moose und Pflanzen zum Färben, den eigenen Urin zum Fixieren der Farbe.

Inzwischen ist die Produktion längst so expandiert, dass Tonnen von Wolle aus Schottland importiert werden und die meisten Prozesse mechanisiert wurden. Aber noch immer wird jedes Stück Stoff zu Hause und von Hand gewebt.

Einst war der wasserabweisende, kratzige, dicht gewebte Tweed die Arbeitskleidung für Bauern, Fischer und Schäfer, schlicht für alle, die in Regen und Sturm draußen zu tun hatten. Dann entdeckte ihn der englische Landadel. Der widerstandsfähige Wollstoff wurde zum Klassiker des Countrystyle, zum Erkennungszeichen einer Klasse, die auf ihrem Landsitz die Zeit mit Reiten, Jagen oder Fischen verbringt.

Prominent wurde der Tweed durch Coco Chanel, die ihn für ihr legendäres Kostüm verwendete, dem Renner der 1950er- und 1960er-Jahre. Sie setzte bis dahin völlig unübliche Farben ein: pink, himmelblau oder pfefferminz und ließ die Stoffe locker weben. Nun stand Tweed auch für die Welt der Mode, für Eleganz, Reichtum und Jugend.

In den 1970er-Jahren brach der Tweed-Handelsmarkt zusammen. Der edle Stoff galt als konservativ und spießig. Doch in den letzten Jahren hat ein neuer Boom eingesetzt. Tweed ist wieder trendy. Die Auftragsbücher der Tweedhändler sind voll. Aber das Weben ist Saisonarbeit und für junge Leute wenig attraktiv.