Typisch! Kaufen, quatschen, Kummerkasten: Die letzten Landwarenhäuser

vom 22.04.2018

HR, 22.04., 06:40-07:10 Uhr

Landwarenhäuser waren zu DDR-Zeiten Verkaufsstellen in den Dörfern, die die Landbevölkerung mit bedarfsgerechten Artikeln versorgt haben. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es heute noch einige davon. Aber es werden immer weniger. "Für die Hafergrütze von Brüggen kommen die Leute sogar aus Anklam extra hierher", sagt die 45-jährige Annett Daugs und stellt die Packung wieder liebevoll ins Regal.

Und dann geht die Frau in der weißen Kittelschürze ihrer Mutter durch die Reihen ihres Ladengeschäfts Konsum. Die Leute wollen bei ihr Ostprodukte wie "Tempo Erbsen", "Naschkatze Vanillesoße", "Zörbiger Überrübe" oder "Kinella-Saft" kaufen. Seit 26 Jahren arbeitet Annett Daugs im Kriener Landwarenhaus. Genauso lange kennt sie auch schon die meisten Kunden mit Name und Anschrift und allen Familiengeschichten, Sorgen, Nöten und glücklichen Ereignissen. Das DDR-Landwarenhaus hat sie über die "Wende" gerettet. Jetzt ist es der "Frischemarkt" und eine Oase im Anklamer Land, vor allem für die alten Menschen im Dorf und der Umgebung. Aber die treue Kundschaft stirbt langsam aus im Dorf, und jedes Jahr wird es schwieriger, über die Runden zu kommen.

Das läuft bei Anke Petzsch in Sagard etwas anders. Als Leiterin der Konsumgenossenschaft auf Rügen hatte sie zu DDR-Zeiten auch das Sagarder Landwarenhaus aus den 1960er-Jahren betreut und nach der "Wende" gekauft, saniert und wiedereröffnet. Anders als in Krien ist ihr Laden nicht die Oase in der Wüste, eher ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit inmitten eines Überangebots von Kaufhäusern, Discountern, Lebensmittelketten, die alle gleich um die Ecke liegen. Sie nennt ihr Landwarenhaus seit sieben Jahren Kaufhaus Jasmund. Dort bekommt man Schreibwaren, Hausrat, Kleinelektrogeräte, Kunstgewerbe, Geschenkartikel, Uhren und Schmuck und vor allen Dingen: Schuhe. Als erfahrene Betriebswirtschaftlerin kennt Anke Petzsch alle Tricks, um noch mit den Großen mithalten zu können.