Von Mokassin bis Salamander - Schuhproduktion in Weißenfels

vom 10.04.2018

MDR, 10.04., 20:45-21:15 Uhr

Katrin Schulzes Leben sind Schuhe: "Ich wollte mich immer kreativ ausleben, und das Thema Schuhe hat mich nicht mehr losgelassen. Deshalb bin ich auch heute noch dabei." Lehre, Studium und dann in den Betrieb - und wo sonst als in Weißenfels! Denn hier war das Zentrum der DDR-Schuhherstellung. Hier stand die Zentrale des VEB Kombinat Schuhe - der Stammbetrieb.

Von den zeitweise etwa 47.000 Menschen, die in der DDR an Damenschuhen, Sportschuhen oder Arbeitsstiefeln schnitten, nähten und klebten, arbeiteten allein in Weißenfels rund 6.000 Menschen für den "sozialistischen Schuh". Kinderschuhe wurden vor allem hier im VEB "Banner des Friedens" gefertigt.

Die Schuhtradition in Weißenfels reicht schon bis ins Mittelalter zurück. Die sächsischen Höfe orderten in großen Mengen Luxusschuhe, Anfang des 20. Jahrhundert gab es 138 Schuhfabriken. Der DDR-Schuh war später allerdings nicht gerade ein Ausbund an Schönheit und Eleganz. Wilfried Schreier arbeitete und forschte für die Schuhindustrie: "In der DDR waren wir gesetzlich verpflichtet, einen Großteil des Schuhwerks nach gesundheitlichen Kriterien zu produzieren. Im Westen waren hingegen oft modische Kriterien wichtiger."

Weißenfels ist auch Schauplatz deutsch-deutscher Wirtschaftsbeziehungen, die für Karl-Heinz Werner Folgen hatten. Er war damals Reisekader und einer der jüngsten Direktoren für Forschung und Entwicklung im Kombinat. Weil er mit Importmaschinen die Produktion verbessern wollte, warf man ihm Ende der 1970er Jahre vor, gegen die Volkswirtschaft der DDR gehandelt zu haben. Die Folge: fünf Jahren Haft in Bautzen und Verbannung aus Weißenfels. Wie viele andere Betriebe starb das Schuhkombinat nach der Wende. Tausende mussten sich neu orientieren. Katrin Schulze fertigt heute in ihrer Manufaktur Mittelalter-Schuhwerk, Theaterschuhe und individuelle Modelle - im einstigen Zentrum der Schuhproduktion im Osten.

Wiederholung

11.04., 01:15-01:45 Uhr