ANWR rückt stationäres Geschäft in den Fokus

vom 13.06.2018

ANWR-Händlerforum 2018 in Krakau

Nachdem das Thema „Digitalisierung“ die ANWR-Kongresse der vergangenen Jahre bestimmt hatte, stand diesmal das stationäre Geschäft des Schuhhandels im Mittelpunkt. „Kaufen mit allen Sinnen“ lautete denn auch das Motto des dreitägigen ANWR-Händlerforums, das vom 10. bis 12. Juni in Krakau stattfand. Im Fokus stand die „Be-Sinnung“ auf die Stärke des stationären Einzelhandels – und der Mut, sich den Innovationen zu stellen.

„Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen: Das ‚Be-Sinnen’ auf alle Sinne stellt einen wichtigen Erfolgsfaktor des stationären Einzelhandels dar. Der Kunde, der den Kauf im Geschäft dem Onlineshop vorzieht, sucht den Erlebniskauf – die Information, Beratung und den Verkauf von Mensch zu Mensch“, erklärte Günter Althaus, Vorstandsvorsitzender der ANWR Group, das Leitthema des diesjährigen Forums. „Kauferlebnisse zu inszenieren ist eine große Herausforderung für den stationären Händler und eine wichtige Aufgabe für die Fort- und Weiterbildung der Verkäuferinnen und Verkäufer.“

„90 Prozent der Einzelhandelsumsätze in Deutschland werden im stationären Einzelhandel gemacht – im allgemeinen Hype der Digitalisierung wird dies häufig vergessen. Unsere Aufgabe ist es, unsere Händler in der analogen wie digitalen Welt fit zu machen, um deren Gewinn- und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern. Aber die Händler müssen auch den Mut haben, sich mit Innovationen zu beschäftigen”, so Althaus. „Ein Vollsortiment auf 250 Quadratmetern nimmt ihnen keiner ab. Kleinere Flächen müssen sich spezialisieren.“

Positive Zahlen

Die Generalversammlung der ANWR Group wurde in diesem Jahr erstmals vom neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Holger Baierl geleitet, der die Nachfolge von Jürgen Robers angetreten hatte. Dass sie so harmonisch wie selten verlief, lag auch an den positiven Zahlen, die Finanzvorstand Frank Schuffelen verkündete. So stieg das Abrechnungsvolumen der Gruppe 2017 um 2,4 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Überdurchschnittlich legten dabei die Finanzdienstleistungen um 3,2 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zu, während die Eigenverbände nur ein Plus von 0,7 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro verbuchten. Im Gegensatz zu den Bereichen Sport (+3,2 %) und Lederwaren (+4,1 Prozent), die Pluszahlen vermeldeten, ging das Abrechnungsvolumen im Bereich Schuhe um um 1,1 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zurück. Dies ist insbesondere auf die Entwicklung in den Niederlanden (-3,2 %), der Schweiz (-5,4 %) und Skandinavien (-3,5 %) zurückzuführen. In Deutschland stieg der ZR-Umsatz hingegen um 2,1 Prozent auf 1,851 Milliarden Euro.

Auch für die ANWR-Tochter Schuh Mücke konnte Schuffelen positive Zahlen vermelden. „Schuh Mücke ist für uns Labor, Werkstatt und Ertragsquelle“, so der Finanzvorstand. Der Schuhhändler schloss das Jahr 2017 mit einem Umsatzplus von 5,7 Prozent auf 124,2 Millionen Euro ab, wobei Schuhe mit einem Anteil von 66 Prozent den Löwenanteil vor Textilien und Accessoires hatten. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres gingen die Mücke-Umsätze – wie in der Branche generell – allerdings um 4,7 Prozent auf 47,2 Millionen Euro zurück. Das Abrechnungsvolumen der ANWR Group erhöhte sich hingegen im gleichen Zeitraum um 5,1 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro.

Spanien als neuer Markt

Fritz Terbuyken, Vorstandsmitglied der ANWR Group, berichtete über die Entwicklung in den verschiedenen internationalen Märkten. Insgesamt betreute die Gruppe über die ANWR Garant International mit Sitz in Düsseldorf im letzten Jahr 2.148 Partnerunternehmen außerhalb Deutschlands. Neuester Markt ist Spanien, wo der Markteintritt mit den ersten vier Mitgliedern gestartet wurde. Frankreich ist mit 931 Fachhändler und einem ZR-Volumen von 171 Millionen Euro das stärkste Land im Schuhbereich. Die Niederlande sind zweigrößter Markt mit 579 Fachhändlern.

Im deutschen Markt betreut die Gruppe aktuell 1336 Unternehmen mit insgesamt 3892 Verkaufsstellen. Das sind im Saldo 170 Verkaufsstellen weniger als 2016. Der Rückgang der Verkaufsstellen korrespondiert mit dem Rückgang in der Zentralregulierung 2017.

„Insbesondere konnten wir mit Schuhe.de im letzten Jahr unsere Modernisierungs-Strategie weiterverfolgen und haben weitere frequenzstarke Plattformen angebunden“, sagte Terbuyken. Über die Zalando-Plattform setzen die bisher 65 angeschlossenen Händler rund 1.000 Paar am Tag um. Da ein Viertel des gesamten Online-Umsatzes in Deutschland über den Amazon Marketplace verlaufe, sei es richtig gewesen, sich auch an den Amazon-Marktplatz anzubinden. Terbuyken geht davon aus, dass die ANWR-Händler in diesem Jahr erstmals die 50-Millionen-Euro-Umsatzgrenze im Online-Geschäft überschreiten werden.

Aufsichtsräte wiedergewählt

Im Rahmen der Generalversammlung der ANWR Group wurden Vorstand und Aufsichtsrat für das vergangene Jahr entlastet und der Jahresabschluss festgestellt. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden die bisherigen Mitglieder Holger Baierl, Michael Höppner, Franz Klimesch, Klaus Rollmann und Thomas Tiefenbacher von den 114 Stimmberechtigen wiedergewählt. Holger Baierl wurde erneut zum Aufsichtsratsvorsitzenden ernannt.

Im kommenden Jahr feiert die ANWR ihr 100-jähriges Bestehen. Dann wird das Händlerforum vom 30. Juni bis 2. Juli in der Gründungsstadt Hamburg veranstaltet.