HDS/L weist Hungerlohn-Vorwürfe zurück

vom 22.06.2016

Initiative „Change your shoes“ berichtet von schlechten Arbeitsbedingungen in europäischer Schuhindustrie

Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) hat Vorwürfe der Initiative „Change your shoes“ zu schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen in der europäischen Schuhindustrie zurückgewiesen. „Wir können die pauschalisierenden Behauptungen der Initiative in keiner Weise nachvollziehen“, so Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert. „Der HDS/L und im Speziellen die unter dem Dach des Deutschen Schuhinstituts positionierte Cooperation at DSI (CADS) setzen sich intensiv für mehr Transparenz innerhalb der Lieferkette ein. Und zwar nicht nur europaweit, sondern weltweit.

„Change Your Shoes“ hatte unter anderem die Arbeitsbedingungen im italienischen Gerbereien-Distrikt Santa Croce kritisiert, in dem vor allem Migranten arbeiten. Dort komme es immer wieder zu Unfällen und durch den ungeschützten Kontakt mit giftigen chemischen Substanzen entwickelten die Arbeitenden Allergien oder gar Tumore.

Außerdem werden die niedrigen Löhne der geschätzt 200.000 Beschäftigten in der mittel- und südosteuropäischen Schuhindustrie angeprangert. Untersucht worden seien die Länder Albanien, Bosnien-Herzegowina, Polen, Rumänien, Slowakei und Mazedonien. Die Löhne in Albanien, Mazedonien oder Rumänien lägen sogar noch unter denen in China. „Unter allen europäischen Ländern, in denen wir bislang recherchiert haben, ist Albanien wirklich das Bangladesch Europas“, erklärt Betina Musiolek von der Clean Clothes Campaign auch im Hinblick auf die schlechten Arbeitsbedingungen. Es zeige sich eindeutig, so das Fazit der Studie: „Die endemischen Probleme der Bekleidungs- und Schuhindustrie sind ein Problem globaler Lieferketten und machen keineswegs halt vor Europa.“

Made in Europe stehe grundsätzlich für hochwertige Schuhe und gute Arbeitsbedingungen, urteilt hingegen der HDS/L. Seit Jahrzehnten engagierten sich die deutschen Schuhhersteller für eine nachhaltige Produktion im In- und Ausland. „Die sozialen und ökologischen Standards unserer Industrien zählen zu den höchsten weltweit“, so Junkert. „Das außergewöhnlich hohe Niveau der Arbeitsbedingungen sowie der umweltbewusste Umgang unserer Branche mit Ressourcen werden international als vorbildlich beurteilt. Deutsche (und europäische) Standards sind also nicht die Folge internationaler Standards, sondern sie bilden umgekehrt deren Grundlage.“

„Die deutschen Hersteller stehen mit ihrer Marke und Reputation dafür, dass gute Arbeitsbedingungen nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern in sämtlichen Produktionsstätten weltweit eingehalten werden“, sagt CADS-Vorstand Michael Tackenberg. In Osteuropa würden diese Stätten regelmäßig kontrolliert.“ Die in den europäischen Produktionsstätten tätigen Fachkräfte seien keineswegs unterbezahlt. Der Arbeitsmarkt in diesen Ländern sei auch durch starke Konkurrenz von anderen Industrien geprägt. Die Löhne in den genannten Ländern entsprächen dem landesüblichen Niveau, so der Verband.