Schlechtes Jahr für Österreichs Schuhhändler

vom 11.06.2019

Regiodata-Studie: Onlineanteil beträgt bereits 25 Prozent

Im Jahr 2018 ist der Gesamtumsatz im österreichischen Schuheinzelhandel deutlich gesunken. Vor allem der Onlinehandel schnappt sich einen immer größer werdenden Anteil, wodurch der Kuchen für den stationären Schuhhandel immer kleiner wird.

Jährlich geben die Österreicher und die Touristen etwa 1,6 Milliarden Euro für Schuhe aus. Der Umsatz im stationären Schuheinzelhandel liegt aktuell bei knapp 1,3 Milliarden Euro, was im Jahresvergleich einen Rückgang von 2,5 Prozent bedeutet. Vom Gesamtumsatz fließen jedoch rund 0,3 Milliarden Euro in andere Branchen, etwa in den Pure-Player-Online-Handel oder den Bekleidungshandel. Der Onlineanteil insgesamt nimmt weiterhin stark zu: Waren es 2010 noch vier Prozent, beträgt der Onlineanteil 2018 knapp 25 Prozent, wobei das Wachstumstempo im Online-Handel weiterhin deutlich höher als im stationären Handel bleibt.

In kaum einer anderen Branche ist das richtige Wetter zur richtigen Zeit so wichtig wie im Schuhhandel. Und das Wetter 2018 war besonders ungünstig. Die dadurch notwendigen Abverkäufe und Rabatte drückten den Gesamtumsatz. Dazu kommt, dass durch das Erstarken von Billiganbietern und den aktuellen Modetrends (billigere Sneakers und einfache Sandalen statt wertigere Lederschuhe) der Umsatz pro Einkauf geringer ist als früher. Und die steigenden Zuwächse im Internethandel knabbern zusätzlich am Umsatz des österreichischen Schuheinzelhandels.

Die aktuellen Modetrends in Richtung Sneakers kommt dem Sportartikelhandel gerade recht. Die Grenzen zwischen klassischen Straßenschuhen und Sportschuhen sind bereits praktisch aufgelöst und so wandern Umsätze sozusagen automatisch vom Schuheinzelhandel in Richtung Sportartikelhandel. Einzelne Marktteilnehmer (z.B. Deichmann) entwickeln sogar eigene Vertriebslinien für diesen Modetrend.

Die deutsche Deichmann-Gruppe (Deichmann, Snipes, MyShoes) kann den Marktanteil weiter steigern und nimmt bereits mehr als 25 Prozent vom gesamten österreichischen Schuheinzelhandel ein. Die steirische Leder & Schuh AG (Humanic, Shoe4You, Stiefelkönig) erreicht einen Marktanteil von rund 18 Prozent. Alle anderen Marktteilnehmer liegen bei deutlich unter 10 Prozent Marktanteil.

Das Jahr 2018 verlief für den Schuheinzelhandel zwar besonders ungünstig, doch die Probleme bestehen schon länger: Seit 2009 steigt das Umsatzvolumen praktisch nicht. Trotzdem verändert sich die Anzahl der Standorte (ca. 1.400) und die Gesamtverkaufsfläche kaum. Selbst das Out von Vögele Shoes mit ursprünglich etwa 70 Standorten wurde durch die Expansion anderer Marktteilnehmer kompensiert. Die logische Folge ist, dass die durchschnittliche Flächenproduktivität in der Branche sinkt.