Schwierige Tarifgespräche

vom 22.12.2016

3 Fragen an Gerd Koschik zu den gekündigten Manteltarifverträgen in der Schuhindustrie

Ab dem 1. Januar 2017 gibt es in der deutschen Schuhindustrie keinen gültigen Manteltarifvertrag mehr. Die Gewerkschaft IG BCE hatte die entsprechenden Verträge zum Jahresende gekündigt und will nun Hausverträge mit den einzelnen Unternehmen abschließen. Der Hauptverband der Deutschen Schuhindustrie (HDS/L) setzt sich weiterhin für den Erhalt der Flächentarifverträge für die Schuhindustrie ein. Ara-Vorstand Gerd Koschik, beim HDS/L für den Tarifbereich zuständig, nimmt zum aktuellen Stand der Dinge Stellung.

Warum verlaufen die Tarifverhandlungen dieses Mal so schwierig?

Gerd Koschik: Das hat mehrere Gründe. Aus für uns unerklärlichen Gründen hat sich die Gewerkschaft IG BCE entschlossen, neben den Lohn- und Gehaltstarifverträgen langjährig bestehende, bestens etablierte Manteltarifverträge der deutschen Schuhindustrie zum 31. Dezember 2016 zu kündigen. Darüber hinaus wurde uns mitgeteilt, dass man auf Bundesebene keine Tarifverhandlungen durchführen will. Stattdessen pickt sich die Gewerkschaft jetzt gezielt einige unserer größeren, tarifgebundenen Unternehmen heraus, führt Gespräche mit den Betriebsräten und versucht individuelle Hausverträge abzuschließen. Wir können dieses Vorgehen absolut nicht nachvollziehen. Aus unserer Sicht beendet die Gewerkschaft damit eine langjährige und erprobte Sozialpartnerschaft. Das ist in höchstem Maße unsolidarisch – durch ihr Vorgehen lässt die Gewerkschaft kleine Unternehmen im Regen stehen.

Wie reagieren Sie aktuell? Was macht der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie?

Gerd Koschik: Lassen Sie mich zunächst einen Blick in die Vergangenheit werfen. Das ist wichtig, um unseren Unmut zu verstehen. Wir waren immer sehr offen, haben in den zurückliegenden Tarifverhandlungen mehrfach eine Überarbeitung, und Angleichung der bestehenden Manteltarifverträge als dringend notwendig erachtet und angeboten und mit diversen Schreiben an den Tarifvorstand der IG BCE die Gewerkschaft auf die Bedeutung des Flächentarifvertrages hingewiesen sowie auch Vorschläge zur Modernisierung eingereicht. Das wurde nicht aufgegriffen. Im Gegenteil. Jetzt verhält sich die Gewerkschaft so, als hätte der Arbeitgeberverband eine Modernisierung verhindert. Das können wir so nicht hinnehmen. Leider muss ich außerdem noch hinzufügen, dass auch das Spitzengespräch mit Vorstand und Verhandlungsführer der IG BCE, am 1. November diesen Jahres, nicht zu weiteren Annäherungen und Verhandlungen über Löhne und Gehälter geführt hat.

Wie geht es nun weiter?

Gerd Koschik: Leider weigert sich die Gewerkschaft bislang an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Diese aus unserer Sicht inakzeptable Hinhaltetaktik führte natürlich auch dazu, dass die Verhandlungen über die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer/innen auf Eis liegen. Am 12. Dezember 2016 haben wir der Gewerkschaft nun erneut einen Entwurf eines modernisierten, bundeseinheitlichen Manteltarifvertrags zukommen lassen. Damit senden wir ein deutliches Signal, so wie es Herr Hausmann auf seiner Internetseite fordert. Jetzt muss die Gewerkschaft reagieren. Wir sind bereit und haben mehrere Termine für weitere Verhandlungen angeboten. Sie können sicher sein: Wir setzen uns für eine starke Schuhindustrie ein. Aber dafür brauchen wir eben auch verlässliche tarifliche Rahmenbedingungen, die diesen Prozess fördern und nicht boykottieren.