Verpackungsentsorgung: Branchenlösung in Gefahr

vom 30.11.2018

BDSE fordert Schuhindustrie zur Teilnahme auf

Der Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) sieht die derzeit bestehende Branchenlösung für die Verpackungsentsorgung in Gefahr.

Zum 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft, das den Schuhhandel zur Registrierung jener Verkaufs- und Serviceverpackungen verpflichtet, die er selbst in den Verkehr bringt, zum Beispiel im Rahmen seines Online-Vertriebs. Der weitaus überwiegende Teil der im Schuhhandel anfallenden Verpackung wird allerdings von der Schuhindustrie in Umlauf gebracht. Und nach der jüngsten Novellierung des Verpackungsgesetzes ist der Hersteller verpflichtet, seine in Verkehr gebrachte Verpackung im Einzelhandel unentgeltlich abzuholen.

Die Schuhwirtschaft hatte aus Effizienz- und Kostengründen bereits vor über 15 Jahren – gemeinsam mit der Sportbranche und dem Dienstleister Interseroh – eine effiziente und kostengünstige Branchenlösung zur Rücknahme von Verpackung im Einzelhandel ins Leben gerufen, die sich sehr bewährt hat. Die Schuhhersteller müssen seitdem ihre Handelskunden nicht einzeln anfahren, um ihre Verpackungsmaterialien dort abzuholen und einer Verwertung zuzuführen, weil Interseroh dies übernimmt. Der Handel wiederum muss die bei ihm anfallenden Verpackungen nicht lieferantenbezogen sortieren und zur Abholung durch eine Vielzahl von Schuhherstellern bereitstellen. Es leuchtet schnell ein, dass es allein aus logistischen Gründen kaum eine Alternative zu dieser Branchenlösung geben kann.

Die Funktionsfähigkeit dieses solidarischen Verwertungssystems, das seinerzeit von HDS/L, Verbundgruppen und BDSE begründet wurde, funktioniert aber nur, wenn die Schuhhersteller die Abholung ihrer Verpackungen beim Handel dem Entsorger Interseroh übertragen. Andernfalls sind weder die Abholung bei den Anfallstellen im stationären Handel noch die Finanzierung des Gesamtsystems gewährleistet.

In letzter Zeit gibt es jedoch immer mehr Lieferanten, die ihren Entsorgungsauftrag keinem oder aber anderen Dienstleistern mit vermeintlich günstigeren Angeboten erteilen, die dann allerdings den Schuh- und Sporthandel faktisch nicht anfahren - zumal ein Kontrollinstrument fehlt. Die Konsequenz: Die Verpackungen dieser Hersteller werden nach wie vor von Interseroh im Handel abgeholt, diese Leistung wird aber nicht bezahlt. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass bei einer wachsenden Zahl von Trittbrettfahrern dieses Solidar-System irgendwann nicht mehr finanziert werden kann. Da sich solche Fälle mittlerweile leider häufen, ist die Branchenlösung Schuhe/Sport nunmehr extrem gefährdet. Sollten sich weitere Lieferanten daraus verabschieden, droht das Aus.

Der BDSE appelliert daher eindringlich an alle nicht teilnehmenden Schuhlieferanten, sich der Entsorgungs- und Verwertungslösung der Schuhbranche anzuschließen bzw. wieder anzuschließen. Zumal Herstellern empfindliche Bußgelder drohen, wenn sie ihrer Entsorgungsverpflichtung nicht nachkommen.

Der Schuhhandel wiederum sollte prüfen, ob seine Lieferanten sich um die Verpackungsrücknahme – Verkaufs- wie Transportverpackung – kümmern, und von diesen konsequent einen Nachweis einfordern. Außerdem sollte der Schuhhandel von all jenen Schuhherstellern eine Entsorgungspauschale verlangen, bei denen die Verpackungsentsorgung nicht oder nur auf dem Papier erfolgt.