Wechselkurse und Wirtschaftskrise setzen Adidas zu

vom 08.08.2013

Sportartikelhersteller verbucht im zweiten quartal überraschend starken Umsatzrückgang.

Ungünstige Wechselkurse und die Wirtschaftskrise in Europa setzen Adidas stärker zu als erwartet. Der Sportartikelhersteller verbuchte im zweiten Quartal einen überraschend starken Umsatzrückgang und senkte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr. „Herausforderungen im Zusammenhang mit negativen Währungsentwicklungen hatten im bisherigen Verlauf des Jahres eine signifikante Bremswirkung“, erklärte Vorstandschef Herbert Hainer. „Operativ und strategisch ist unser Konzern aber in Top-Form.“ Hainer bekräftigte deshalb das Ziel, den Gewinn auf 890 bis 920 Millionen Euro zu steigern.

Weil die Währungen in Japan und Brasilien stark an Wert verloren, konnte Adidas die Erlöse in diesen wichtigen Märkten nicht im erhofften Maße in Euro ummünzen. Auch in den USA und Russland machten unerwartet schwache Wechselkurse dem weltweit zweitgrößten Sportartikelhersteller nach Nike zu schaffen. Puma - die Nummer drei der Branche und wie Adidas in Herzogenaurach ansässig - hat ebenfalls über die Abwertung des Yen durch die japanische Notenbank geklagt und deshalb Preiserhöhungen in dem Land angekündigt.

Doch anders als der Lokalrivale Puma, der mit hausgemachten Problemen kämpft und im größten Konzernumbau seit zwei Jahrzehnten steckt, hat Adidas keine größeren Baustellen mehr. Das Geschäft in Asien und Lateinamerika brummt, die lange kriselnde US-Tochter Reebok kommt allmählich in Fahrt. Das Unternehmen, das zur Fitness-Marke ausgebaut werden soll, legte im zweiten Quartal um elf Prozent zu. Reebok hatte sich aus dem Geschäft mit der American-Football-Liga NFL zurückgezogen und dabei Umsatzrückgänge in Kauf genommen. „Ich bin zuversichtlich, dass Reebok für das Gesamtjahr währungsbereinigt ein Umsatzwachstum ausweisen wird“, sagte Hainer. In der gesamten Region Nordamerika schrumpften die Umsätze wegen schleppender Geschäfte der Golfmarke TaylorMade um zwei Prozent. Schlechtes Wetter hatte die Spieler von den Golfplätzen ferngehalten.

In Westeuropa brachen die Umsätze um neun Prozent ein. Mit zweistelligen Raten ging es in Großbritannien, Spanien und Italien abwärts. Das lag nicht nur an der Zurückhaltung der Kunden infolge der Wirtschaftskrise, sondern auch an den hohen Erlösen im Vorjahreszeitraum: Damals ließen die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele besonders in dieser Region die Kassen klingeln. In Osteuropa machte im abgelaufenen Quartal ein Umsatzeinbruch in der Ukraine Zuwächse in anderen Ländern zunichte.

„Das schwache Marktumfeld in Europa und die ungünstige Entwicklung mehrerer Währungen gegenüber dem Euro deuten darauf hin, dass sich die Erreichung der Konzernziele für das Gesamtjahr 2013 schwieriger gestalten wird als ursprünglich angenommen“, erklärte Adidas. Selbst unter Herausrechnung der Währungseffekte erwartet Vorstandschef Hainer nun lediglich einen Umsatzanstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich - bisher hatte er ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich angepeilt. Im zweiten Halbjahr solle sich die Umsatzdynamik aber verbessern, besonders im Schlussquartal. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in Westeuropa im zweiten Halbjahr über den Berg sind“, sagte Hainer. Im kommenden Jahr erwartet Adidas im Duell mit dem Erzrivalen Nike weltweit einen kräftigen Schub durch die Fußball-WM.

Der Konzernumsatz sank im von April bis Juni um vier Prozent auf 3,38 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis schrumpfte überraschend um zwei Prozent auf 252 Millionen Euro - am Markt erwartet worden war ein Anstieg auf 261 Millionen Euro. Die Bruttomarge verbesserte sich allerdings um knapp zwei Punkte auf 50 Prozent. Der Überschuss legte um vier Prozent auf 172 Millionen Euro zu.