Zalando weiter mit trüben Gewinnaussichten?

vom 16.09.2014

Medienbericht: Mittelfristig allenfalls minimale Gewinne

Vor dem geplanten Börsengang der Zalando SE sehen die Handelsexperten von „markt intern“ die künftigen Gewinnaussichten des Berliner E-Commerce-Unternehmens mit Blick auf die endgültigen Zahlen für 2013 und die vorläufigen Halbjahreszahlen 2014 kritisch. Auffällig am Zahlenwerk 2013 sei:  Zwar würden erstmals latente Steuern in Höhe von 1 Million Euro aktiviert, allerdings nur beim Tochterunternehmen zLabels GmbH, das sich um die Eigenmarkenvermarktung kümmert. Weitere 34,1 Millionen Euro latenter Steuern hätten nicht aktiviert werden können, weil es dafür an hinreichend wahrscheinlichen Gewinnaussichten fehle, berichtet „markt intern“ Insgesamt belaufen sich die aufgelaufenen Verlustvorträge Ende 2013 auf knapp 280 Millionen Euro.

„markt intern“ hegt zudem den Verdacht, dass die Kosten im Konzern ungleich verteilt werden, um in der für Zalando wichtigen DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bessere Ergebnisse auszuweisen. So beliefen sich die Vertriebskosten in der DACH-Region 2013 auf 394 Millionen Euro. Ihnen standen Umsätze von 1,1 Milliarden Euro gegenüber. Auf das übrige Europa entfallen dagegen Vertriebskosten von 307 Millionen Euro bei Umsätzen in Höhe von 630 Millionen Euro.

Auch die bisher für das erste Halbjahr präsentierten Zahlen ließen wenig Gutes für die Zukunft erwarten. Zwar stellt Zalando fest, das EBIT sei erstmals positiv gewesen (1,2 Prozent auf Konzernebene, 4,6 Prozent in der DACH-Region). Allerdings machen die Berliner die Einschränkung: „EBIT vor Aufwendungen aus anteilsbasierter Vergütung mit Ausgleich durch Eigenkapitalinstrumente.“ Hinter dieser etwas kryptischen Formulierung verbergen sich Aktienoptionsprogramme für die Mitarbeiter, hauptsächlich das Management, deren Kosten insoweit ausgeblendet werden. Gleichwohl kann Zalando bei Umsätzen von über 1 Milliarde Euro gerade einmal einen Gewinn nach Steuern von 200.000 Euro ausweisen. Vor diesem Hintergrund bilanziert Dr. Frank Schweizer-Nürnberg, Chefredakteur „markt intern“-Mittelstand: „Es gehört viel Fantasie dazu, sich als Anleger am Zalando- Börsengang zu beteiligen. Aus unserer Sicht wird das Unternehmen auch mittelfristig allenfalls minimale Gewinne erwirtschaften.“