Zalando zeigt RTL-Reporterin an

vom 16.04.2014

Reportage über angeblich skandalöse Umstände beim Onlineversender hat juristisches Nachspiel

Der Online-Versender Zalando hat die Reporterin des Fernsehsenders RTL, Caro Lobig, angezeigt, die für eine Reportage inkognito monatelang im Versandzentrum Erfurt gearbeitet hat. Das Unternehmen wirft der Journalistin Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen.

RTL hatte am 13. April eine Reportage mit zahlreichen Innenaufnahmen aus der Versandhalle in Erfurt ausgestrahlt. Dabei wurden Zalando „erschreckende Missstände“ und „reihenweise Verstöße gegen das Arbeitsrecht“ vorgeworfen. Die Reporterin berichtete, sie habe ständig unter Kontrolle gestanden und sei enormem Leistungsdruck ausgesetzt gewesen. Die sogenannten „Picker“, also Waren-Zusammenträger, müssten täglich etliche Kilometer in der Versandhalle laufen. Die Scanner, mit denen die „Picker“ arbeiten, würden zur Kontrolle der Laufleistung verwendet. Wer zu wenig laufe, müsste sich bei Vorgesetzten rechtfertigen.

Am 28. März war die Journalistin schließlich aufgeflogen, weil sie eine Datenbrille mit Aufzeichnungsmöglichkeit trug. Weil sie Wirtschaftsspionage vermuteten, hätten Zalando-Mitarbeiter die Polizei gerufen, die die Datenbrille beschlagnahmte. Daraufhin wurde der Undercover-Reporterin gekündigt. Eine Gelegenheit, sich zu den Vorfällen zu äußern, habe die Journalistin nicht genutzt, bestätigte eine Zalando-Sprecherin. Caro Lobig geht derweil mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi gegen die Kündigung vor.