Vorstände Terbuyken und Grevener wenden sich an Lieferanten

Vorstände Terbuyken und Grevener wenden sich an Lieferanten

Hier lesen Sie den Brief im Wortlaut:

Liebe Industriepartner,

das öffentliche Leben befindet sich im Shutdown und die Wirtschaft läuft gerade mit Vollgas in die größte Krise seit 70 Jahren. Unsere gesamte Branche bekommt diesen „Voll-Stopp“ mit aller Wucht zu spüren. Ein Krisenmanagement wie es in keinem Lehrbuch zu finden ist, ist nunmehr gefragt. Über Jahrzehnte haben wir alle gemeinsam eine sehr gut funktionierende Wertschöpfungskette in unserer Branche aufgebaut. Ein Rädchen greift in das nächste. Wir haben eine sehr gute und enge Kooperation mit Ihnen als Industriepartner. Mit dem Shutdown des öffentlichen Lebens in fast allen europäischen Ländern wurde die ANWR Group eG, genau wie die restliche Branche in eine bislang unvorstellbare Situation versetzt. Die Solidargemeinschaft unserer Genossenschaft wurde dabei grundlegend auf die Probe gestellt, da das Prinzip der gegenseitigen Hilfe in Zeiten allgemeiner Not rasch an seine Grenzen kommt. Gleichwohl konnten wir gemeinsam den ersten Schock verarbeiten und uns ein Stück auf die neue Situation einstellen. Als Ihr langjähriger Partner stehen wir zu unseren Zusagen und sichern auch zukünftig die Zahlungen unserer Händler ab.

Was haben wir bisher für die Mitglieder und Partner getan:

1. Bereits seit vielen Jahren führen wir ein sehr feingliedriges Monitoring über unsere Handelspartner und kennen diese bis ins Detail. Daher wissen wir um die Substanz unserer Mitglieder und Partner. Die DZB Bank hat ihr Finanzierungsinstrument – die Saisonlinie – um 50% erhöht und ausgeweitet. Die Saisonlinie ermöglicht Händlern Industrieforderungen in erster Kondition zu begleichen und von der DZB bis zu 120 Tage finanziert zu bekommen. Gerade diese Hilfe hat vielen unserer Mitglieder die Zeit gegeben, sich nun um mittelfristige Hilfen der Bundesregierung zu bemühen.

2. Die Flut an Informationen und Veränderungen aufgrund dieser Notstandslage verdichten unsere Fachanwälte und Betriebsberater zu einem übersichtlichen Daten- und Informationspool auf den geschlossenen Händlerforen. Unsere Berater leisten zurzeit 24/7 Dauereinsatz um die Händler umfassend zu beraten, damit diese die vom Staat angebotenen Hilfen vollumfänglich nutzen.

3. Offene Aufträge aus dem eigenen Großhandel der ANWR Schuh sowie der Sport 2000 für die FS 2020 haben wir storniert und valutieren sämtliche offenen Rechnungen sowie sämtliche Bestellungen ab sofort mit 90 Tagen. Fast alle Gebühren oder Dauerschuldverhältnisse aus den Verbundsystemen der ANWR Schuh und Sport 2000 werden den Mitgliedern gestundet bzw. entfallen in Teilen.

4. Sicherstellung der Liquidität der Handelspartner und damit der Erhalt unserer gemeinsamen Wertschöpfungskette während des Shutdowns hat aktuell höchste Priorität. Um diese außergewöhnliche Herausforderung zu überstehen, haben wir unsere Industriepartner gebeten, uns die bereits fakturierten Rechnungen ab der Dekade 8 um 90 Tage zu valutieren. Wir haben eine unfassbar große, dankenswerte Unterstützung erfahren. Unseren Händlern haben wir das mitgeteilt und im Namen unserer Anschlusshäuser bedanken wir uns dafür. Das ist extrem partnerschaftlich und solidarisch.

Was bedeutet das für Sie als Industriepartner:

1. Sie erhalten durch die bankgestützte ZR weiterhin alle Zahlungen fristgerecht in 1. Kondition.

2. Fast alle unsere Lieferanten sind unserer Empfehlung zur Einstellung der Belieferung während des Shutdowns gefolgt und liefern keine Bestellungen mehr aus. Der aktuelle Abgleich zeigt uns, dass unsere Händler aufgrund sehr agiler Herangehensweisen sehr differenziert in der Krise agieren. Wir bedanken uns für Ihre entsprechende Flexibilität denjenigen gegenüber, die dennoch aktuell Ware haben möchten bzw. sogar noch nachordern.

3. Die verlorenen Umsätze und Verkaufszeiten durch den Shutdown in der FS Saison können in der Gänze nicht mehr aufgefangen werden. Ca. 80% der Auslieferungen der FS Saison sind erfolgt und unsere Händler haben große Befürchtungen, dass diese Mengen an sich und vor allem nicht mit einigermaßen verträglichen Ausgangskalkulationen verkauft werden können. Aktuell ist eine Planung „nach dem Shutdown“ sehr schwierig. Dankenswerterweise haben wir mit allen von Ihnen Vereinbarungen bezüglich gegebenenfalls noch ausstehender Lieferungen im FS getroffen. Ebenso wie Sie an stabilen Kunden und einem starken Verbund interessiert sind, ist uns auch Ihre Stärke wichtig. Daher bitten wir alle unsere Geschäftspartner, auch Sie als Lieferant, die im Rahmen der Hilfsprogramme angebotene Liquidität vollumfänglich in Anspruch zu nehmen, um gemeinsam maximalen Spielraum für die kommenden Jahre zu erreichen.

4. Wir möchten den Dialog mit Ihnen bzgl. der HW 20 Saison suchen und an Lösungen arbeiten, die nicht den absoluten Kollaps unserer Händler nach sich ziehen, wenn Mieten, Lieferungen, Löhne usw. bei gleichzeitigen Einnahmedefiziten fällig werden. Mit separatem Schreiben werden wir Sie in den nächsten Tagen bitten, uns Anpassungen bei Produktzyklen, neuen Intro-Terminen, Durchläufer-Artikel für HW20/FS21 zukommen zu lassen, um entsprechende Infos reibungslos in den Go-to Market Prozess und in die Liquiditätsplanungen einzuarbeiten. Wir sind uns sicher, so auch Ihre Stabilität zu gewährleisten, da Ihnen weiterhin die bekannten Vertriebswege in vollem Umfang zur Verfügung stehen werden.

Keiner weiß, wann wir mit einer Wiedereröffnung der Läden rechnen dürfen. Wir stellen uns mit unseren Planungen auf die erste Maiwoche ein und würden es begrüßen, wenn Sie sich für den Handel auf flexible Dispositionszyklen einstellen würden. In diversen Round Tables diskutieren wir mit ausgewählten Industriepartnern derzeit, welche Handlungsoptionen für die Branche für dieses Krisenjahr Sinn machen. Gerne nehmen wir Ihre Anregungen mit auf.

Wir gehen ebenfalls davon aus, dass wir unsere Messetermine und Warenprogramme an die neue Situation anpassen werden. Alternative Digitalszenarien werden gerade durchgespielt. Seit Beginn der Krise fordern wir auf verschiedenen Ebenen Unterstützung des mittelständischen Handels durch die Regierung und die KfW. Am 6.4.2020 hat die Bundesregierung ein Schnelldarlehen für den Mittelstand angekündigt, das mit einer 100% Zahlungsgarantie des Bundes versehen ist. Dieses begrüßen wir sehr. Wir sind darüber hinaus im Dialog mit der KfW um zu prüfen, wie der etablierte Finanzierungsmechanismus der ZR auch für die Mittelbereitstellung in der Krise genutzt werden kann. Hierbei unterstützen uns auch Der Mittelstandsverbund ZGV sowie die Schuhhersteller im Verband der Schuh- und Lederwarenindustrie HDS/L, die mit uns gemeinsam daran arbeiten, die Regierung von unserem Angebot zu überzeugen.

Unsere Händler haben in ihrer 100-jährigen Geschichte immer wieder gezeigt, dass sie partnerschaftliches Verhalten sehr wertschätzen und darauf aufbauen. In diesem Sinne werden wir auch diese Krise meistern, wenn jeder nach seinen Möglichkeiten zur Lösung beiträgt. Die ANWR GROUP und ihre angeschlossenen Verbände werden dazu maßgeblich beitragen.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal explizit einen großen Dank aussprechen. Ihre Hilfestellung ist für uns von größter Bedeutung und wir wissen, dass dies in dieser für alle schwierigen Zeit nicht selbstverständlich ist.