Brennende Textilien in der Wüste (Foto: Ucon Acrobatics)

Verband reagiert auf geplante EU-Ökodesign-Verordnung

Die Vernichtung von neuen Textilien und Schuhen ist nach Ansicht des des Handelsverbands Textil Schuhe Lederwaren (BTE) die absolute Ausnahme. Es sei zwar nachvollziehbar, dass die Politik die Modebranche für die immer schwierigere Entsorgungssituation bei Textilien und Schuhen in die Verantwortung nehme. Dabei werde allerdings gerne unterschlagen, dass speziell die Neuware nach BTE-Schätzungen nur einen kleinen Bruchteil der entsorgten Ware ausmacht, teilte der Verband. Der BTE reagierte damit auf die Pläne der Europäischen Union, im Rahmen der EU-Ökodesign-Verordnung die Vernichtung nicht verkaufter Textilien und Schuhe zu verbieten.

Angesichts „wiederholter Berichte mit schockierenden Bildern von Textil- und Bekleidungsbergen in der chilenischen Acatama-Wüste oder auf afrikanischen Deponien“ sei dieses Verbot zu erwarten gewesen, so der BTE. „Allerdings wurde von den Medien nicht thematisiert, woher die gezeigten Waren im Detail kommen und ob es sich (auch) um Neuware handelt. Unterschwellig schwang aber immer der Verwurf mit, dass sich auch große Mengen ungebrauchter Textilien in den Müllbergen finden.“

Laut einer BTE-Umfrage bei mehr als 200 Mode- und Schuhhändlern aus dem Jahr 2020 sei herausgekommen, dass die Vernichtung von unverkaufter Ware im Textil- und Schuhhandel extrem selten sei. Von 1.000 angebotenen Artikeln würden lediglich zwei bis drei entsorgt oder recycelt. Und dabei handele es sich oftmals um beschädigte, verschmutzte oder Ware mit anderweitigen Mängeln, die mitunter gar nicht verkauft werden könnten oder sogar dürften. Nicht berücksichtigt seien dabei Plagiate, die in der Regel von den Lieferanten vernichtet würden.

Logistisch dürfte die Entsorgung dieser Artikel keine Probleme bereiten, versichert der BTE. Bei einer Inlandsverfügbarkeit (Produktion plus Import minus Export) von 4,42 Milliarden Bekleidungsteilen im Jahr 2022 liege die Zahl entsorgter Neu-Textilien aus dem Handel lediglich bei rund 4,4 Millionen Teilen pro Jahr. Die Zahl entsorgter Alttextilien dürfte dagegen um ein Vielfaches höher sein und damit für die Müllberge verantwortlich sein, glaubt der Verband.

So seien 2020 in Deutschland über eine Million Menschen verstorben. Nach BTE-Schätzungen besitzt jeder Verstorbene im Durchschnitt mindestens 100 Bekleidungsteile (inklusive Socken, Wäsche, Sport- und Berufsbekleidung, ohne Schuhe). Allein auf die Sterbefälle dürften damit nach BTE-Schätzungen mindestens 100 Millionen entsorgte Textilien entfallen. Hinzu kämen hunderte Millionen Bekleidungsstücke, die jährlich wegen Beschädigung, Verschleiß oder Passformproblemen aussortiert werden müssten und mangels weiterer Verwendungsoptionen beim Entsorger landen.