Neue Marktstudie des BTE zum Fashionhandel

vom 17.12.2019

Fashionhändler setzen 2020 auf Multikanalvertrieb, Erlebnis und innovatives Marketing.

Der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) hat zusammen mit seinen drei Kompetenzpartnern hachmeister+partner, Schuhe24/Outfits24 und Hutter & Unger einen Ausblick auf das Jahr 2020 gegeben und wichtige Trends analysiert. Grundlage ist die aktuelle BTE-Marktstudie „Fashion Retail: Die Zukunft erfolgreich gestalten!“ Mit Blick auf 2020 stehen drei große Bereiche für den Einzelhandel mit Textil, Schuhe und Lederwaren im Vordergrund:

1. Für immer mehr Mode- und Schuhhäuser gewinnt der Multikanalvertrieb an Bedeutung: Rund 25 Prozent der deutschen Fashion-Retailer verkaufen bereits über Online-Plattformen oder haben einen eigenen Webshop. „Dies ist im Branchenvergleich ein sehr hoher Wert. Und er steigt weiter an, da sich das stationäre Mode-Business derzeit schwertut und viele Unternehmen im dynamisch wachsenden Online-Handel einen Umsatzausgleich suchen“, so Prof. Siegfried Jacobs, Geschäftsführer der Handelsverbände BTE und BDSE. Laut der Studie wächst dabei die Bedeutung von Handelsunternehmen, die Online-Shops mit einer speziellen Sortimentsausrichtung betreiben. Als Beispiele werden u.a. Lodenfrey, Hemdenmeister und Engelhorn angeführt, aus dem Schuhmarkt der Übergrößen-Spezialist Schuhplus. Die Retourenquote der allermeisten Händler liegt deutlich unter 50 Prozent und damit oft unter jener von Branchengrößen wie Otto, About You oder Zalando. Über 20 Prozent der Fashion-Retailer wollen ihren Online-Verkauf auf Marktplätzen forcieren, 31 Prozent prüfen aktuell, ob sie in Kürze nicht auch mit dem Plattform-Vertrieb starten sollten. „Händler sind auf großen Marktplätzen austauschbar. Der Händler muss daher eine Strategie haben, was er online macht. Die Zahl, dass über 60 Prozent der Händler live sind oder es planen, zeigt, dass das Thema Online endlich im Fachhandel angekommen ist und umgesetzt wird“, so Dr. Dominik Benner, Geschäftsführer von Outfits24 und Schuhe24.

2. Events und Unterhaltung: Dass Einzelhandel mehr als nur Verkauf bieten muss, ist ein starker Trend, der sich auch im Jahr 2020 fortschreibt. „Wir sehen immer mehr, dass Modehäuser auf Gastro und andere Service-Angebote setzen und ihre Kern-Sortimente um spannende Zusatzartikel ergänzen“, so Prof. Jacobs. Der Studie nach setzt der Handel zunehmend auf die Aufnahme oder Stärkung von Gastronomie-Angeboten, deren Zahl in 2020 einen Rekordwert erreichen dürfte. Ebenfalls die Kundenansprache durch selektive Events, die übergreifend Publikum in die Geschäfte bringen. Für Uwe Seibicke, Partner und Gesellschafter von hachmeister+partner, ist dies eine neue Kundenfokussierung: „Früher war das Sortiment wichtig, heute geht ein guter Händler ganz anders vor: Er bietet Entertainment, Gastro oder Events. Hier braucht man nicht 1.000 Quadratmeter, wie viele immer denken.“ Neben den Themen Gastfreundschaft und Entertainment ist die Schulung der Mitarbeiter für die Zukunft essenziell: „Etwa ein Drittel der stationären Häuser wird die Schulungsaktivitäten für Mitarbeiter ausweiten. Denn nur leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter sind in der Lage, Kunden zu begeistern“, so Prof. Jacobs. „Aber auch die Steuerung des Personals auf der Verkaufsfläche gewinnt an Professionalität und wird zunehmend unterstützt durch intelligente digitale Tools. Schließlich sollen die Mitarbeiter präsent sein, wenn die Kunden sie brauchen.“

3. Innovatives Marketing: „Wir können deutlich erkennen, dass immer mehr Händler Marketing abseits von Inseraten machen. Digitale App-Lösungen, WhatsApp und kreative Postings gewinnen an Bedeutung, sind allerdings doch noch wenig verbreitet“, so Andreas Unger, Geschäftsführer von Hutter & Unger. Bisher verwenden laut der Studie nur 7 Prozent der Modehäuser in Deutschland automatisierte Marketing-Tools, etwa 40 Prozent wollen diese zeitnah einführen. Erst 18 Prozent der Fashionhändler präsentieren ihr Sortiment in digitalen Schaufenstern, 39 Prozent sehen hier keine Relevanz. Kaum Verbreitung finden derzeit Kanäle wie Snapchat (5 Prozent) und Pinterest (9 Prozent), während YouTube von 21 Prozent der Retailer als Media-Kanal eingesetzt wird. Facebook nutzen inzwischen 84 Prozent der Handelsunternehmen, während Google Adwords zur Bewerbung des eigenen Unternehmens 51 Prozent anwenden. „Die Marketingaktivitäten haben sich bei den Mode- und Schuhhäusern deutlich verändert: Vor fünf Jahren lagen sehr hohe Ausgaben noch im Printbereich, die nun in großen Teilen in den Online-Bereich gewandert sind“, so Prof. Siegfried Jacobs. Neue Marketing-Instrumente wie die Kooperation mit Influencern werden bisher von 20 Prozent der Händler genutzt. Auch Kundenkarten, die digital umgesetzt und schon heute zunehmend um Apps ergänzt werden, spielen bei immer mehr Handelsunternehmen eine wichtige Rolle. Dies mit dem Ziel, den Kunden aktiv zu Hause anzusprechen, Bonus-Angebote zu pushen und direkt in seinem Smartphone präsent zu sein. Bisher nutzen 9Prozent der Modehändler eine solche Kunden-App, 22 Prozent wollen sie zeitnah einführen.