Lieferanten und Händler sitzen im gleichen Boot

Lieferanten und Händler sitzen im gleichen Boot

Im Gegensatz zu Deutschland konnte der Handel in Österreich eine Woche früher öffnen. Wie sind Ihre Erfahrungen in dieser Zeit gewesen?

Die ersten Tage lagen beim halben Umsatz zum Vorjahr. In kleinen Schritten wird es besser. Die Frequenz auf den Straßen ist gering und Touristen fehlen gänzlich. In den größeren Städten sind die Umsätze geringer als in den ländlicheren Gebieten. Die Kunden sind diszipliniert, akzeptieren die vorgegebene Kundenanzahl in den Geschäften und bis auf ganz wenige tragen alle einen Mund- und Nasenschutz. Unsere Mitarbeiterinnen und wir sowieso.

Was halten Sie von der österreichischen „400-Quadratmeter-Bestimmung“?

Es ist nachvollziehbar, dass von der Regierung dieser Weg eingeschlagen wurde. Dass jedoch die Baumärkte, in denen sich die Kunden drängen, offen haben dürfen und andere Handelsgeschäfte mit mehr als 400 Quadratmetern, die die Mindestabstände etc. besser handeln könnten, nicht aufsperren dürfen, ist nicht ganz verständlich. Für den Kunden ist es überhaupt nicht attraktiv, in einer Stadt oder Straße einzukaufen, in der nur die Hälfte der Geschäfte geöffnet hat.

Sind die Verbraucher/innen in anderer Kaufstimmung als vor Corona?

Es gibt viele Bedarfskäufe, besonders bei den Kinderschuhen, aber ein „Kaufrausch“ ist ausgeblieben. Die so genannten „Lustkäufe“ lassen noch zu wünschen übrig. Dafür sind, wie oben erwähnt, zu wenige Leute auf der Straße. Das Thema „Corona“ ist noch lange nicht erledigt, und es wird noch einige Monate dauern bis wir wieder in einem halbwegs normalen Zustand erreichen werden.

Erhalten Sie Unterstützung von Ihren Lieferanten?

Lieferanten und Händler sitzen im gleichen Boot. Nur mit gemeinsamen Lösungen können wir alle aus dieser Krise herausfinden. Nur Valuten alleine, die zwar momentan helfen, aber das Problem der Finanzierung der liegen gebliebenen Übergangsware und teilweise der Sommerware nur verschieben, sind zu wenig. Nicht zu vergessen die Herbst/Wintersaison. Einige Lieferanten zeigen leider wenig Verständnis für die Lage der Händler – die Folge daraus??

Welches sind Ihre Forderungen an die Politik? Wie bewerten Sie die bisherigen Finanzhilfen?

Die Ankündigungen der Regierung klingen gut und würden auch helfen. Nur die Umsetzungen dauern zu lange. Die Bürokratie ist sehr aufwendig und die durchführenden Banken haben ihre eigenen Regeln.

Industrie und Handel befürchten nach dem Ende des Lockdowns harte Preisschlachten. Was kann die Industrie, was kann der Handel und eventuell der Gesetzgeber tun, um das einzudämmen? Was halten Sie von Maßnahmen wie z.B. die Ausdehnung der regulären Verkaufszeiten?

Eine Möglichkeit könnten wieder fixe Ausverkaufszeiten sein, die aber vom Gesetzgeber vorgegeben werden müssten. Es nützt uns Händlern nichts, wenn die Industrie erklärt, der Handel solle keine Preisschlacht beginnen und in deren eigenen Geschäften wird gleich zur Wiedereröffnung mit Prozenten geworben. Eine Ausdehnung der regulären Verkaufszeiten bringt genauso wie eine Sonntagsöffnung unterm Strich nichts. Wir haben zur Zeit eine stark verringerte Kundenfrequenz, was soll eine längere Verkaufszeit bringen? Der Händler hat höhere Kosten (Personal-, Energiekosten etc.) und die Umsätze werden aufgelaufen auch nicht mehr. Sie verschieben sich nur zeitmäßig. Die großen Filialisten, nicht nur die in der Schuhbranche, die diese Änderung der Öffnungszeiten in Österreich immer wieder verlangen, haben es mit der Personalplanung in solch einem Fall viel leichter und die EKZ-Manager die das auch möchten, betrifft das nicht.