Das ganze System krank und heißgelaufen

Das ganze System krank und heißgelaufen

Was halten Sie von Vorschlägen, den Saisonrhythmus nach hinten zu verschieben? Wenn ja, um welchen Zeitraum?

Diese Vorschläge finden wir sehr gut und wünschen uns das schon lange – wir haben jetzt eine einmalige Chance, die man unbedingt nutzen sollte. Ungefähr sechs bis acht Wochen nach hinten wären angebracht. Hier kommt es aktuell darauf an, frühzeitige flächendeckende Rabattaktionen im Handel zu unterlassen und so lange wie möglich die F/S 20-Ware regulär zu verkaufen. Schlussverkauf dann erst ab etwa Mitte August.

Sollte man das grundsätzliche Timing der Order- und Verkaufsrhythmen überdenken und an das reale Einkaufsverhalten der Verbraucher anpassen?

Auf jeden Fall – darum unterstützen wir ja die Vorschläge, den Saisonrhythmus nach hinten zu verschieben. Es muss damit aufhören, dass die Saisonwaren schon rabattiert angeboten werden bevor beim Konsumenten überhaupt der Bedarf, der Kaufwunsch, einsetzt. Das ist Geld verbrennen! Und das hat in den letzten Jahren/Jahrzehnten doch auch maßgeblich dafür gesorgt, dass der Schuh-und Textilhandel nicht mehr ausreichend verdient. Immer frühere Lieferungen, immer mehr Kollektionen , Monatsrhythmen und riesiger Warendruck . Dazu immer mehr und frühere Rabattaktionen; Pre-, Mid-und irgendwas Sale-Aktionen wie Black-Friday etc.! Hauptsache Rabatte, die dem Konsumenten förmlich aufgedrängt werden. Sämtliche Margenerhöhungen gingen fast vollständig in höheren Rabattvergaben auf. Und als ganz große Lösung dann „Ready-to-wear“-Kollektionen; das zeigt doch wie krank und heißgelaufen das ganze System ist. Hier ist eine Entschleunigung und Anpassung der Saisonrhythmen dringend notwendig. Hier müssen Industrie, Handel, Verbundgruppen und Interessenverbände der Textil und Lederindustrie gemeinsam agieren.

Wie gehen sie mit der derzeitigen Corona-Krise um? Welche Entwicklungen erwarten sie?

Wir erwarten im Verlauf eine rezessive Phase verbunden mit einer weiteren Marktkonzentration -sehen aber auch die Chancen, die sich dadurch und danach bieten. Nachhaltigere Produkte, Werthaltigkeit, Langlebigkeit, Konzentration auf das Wesentliche, Komfort und (Fuß-) Gesundheit werden sehr wichtig und produktionsseitig natürlich auch verstärkt kurze Lieferketten und eigenständige Produktion in Europa. Unsere Mephisto-Marken, die wir verbunden mit einer sehr fachhandelsorientierten Vertriebspolitik unseren Kunden offerieren, bieten diese Vorteile .

Welchen Einfluss hat Corona auf die kommende Herbst-/Winterkollektion?

Auf die Entwicklung unserer Herbst-/Winterkollektion hatte Corona keinen Einfluss gehabt.

Sollten es in diesem Jahr keine Messen mehr geben, wie wollen Sie Ihre Kunden über die neue F/S-Kollektion 2021 informieren? Wie soll geordert werden?

Wir werden verstärkt mit digitalen Angeboten informieren, wir sind zudem in Mitteleuropa in vielen Ordercentren vertreten und unsere Außendienstler bieten natürlich auch Haustermine an. Größere Kunden werden verstärkt die Möglichkeiten nutzen, in unserem großen internationalen Showroom in Sarrebourg zu ordern. Mephisto arbeitet hier sehr kundenorientiert und wird seinen Kunden alle Serviceleistungen anbieten, auch wenn die eine oder andere Messe nicht stattfinden wird.