Schwer planbare Zukunft

Schwer planbare Zukunft

Was halten Sie von Vorschlägen, den Saisonrhythmus nach hinten zu verschieben? Wenn ja, um welchen Zeitraum?

Ich würde empfehlen, den Rhythmus um mindestens einen Monat nach hinten zu verschieben, für die Gallery Shoes wäre es dann Ende September

 Was versprechen Sie sich von den vorläufigen Wiederöffnungen von Geschäften?

Wir haben in Österreich bereits die Erfahrung mit Geschäftsöffnungen seit dem 14. April für Geschäfte, die kleiner als 400 Quadratmeter sind. Der Stand nach fast zwei Wochen (Anmerkung: bis 24. April):

  • Geschäfte im ländlichen Bereich machen wesentlich bessere Umsätze als im städtischen Bereich. Im Zentralraum ist noch zu wenig Frequenz, da die großen Flächen noch nicht geöffnet sind.
  • In Tourismusgebieten ist die Situation sehr kritisch.
  • Die Umsätze seit Wiedereröffnung liegen im Vergleich der letzten Jahre im Bereich von -50 Prozent und +34 Prozent, wobei Geschäfte mit einem Plus dies auf den guten Umsatz mit Kinderschuhen zurückführen.
  • Sehr gute Verkäufe bei Kinderschuhen. Hier wird der Bedarf gedeckt.
  • Bedarfsschuhe wie Hausschuhe, Schuhe zum Spazierengehen usw. in guter Qualität funktionieren gut.
  • Auf Mode hat man zurzeit keine Lust.

 Wo sehen Sie derzeit den größten Handlungsbedarf? Was ist das das drückendste Problem?

Das drückendste Problem ist die schwer planbare Zukunft. Zum Beispiel auch die Befürchtung, dass es zu einer Preisschlacht kommen wird, wenn alle Geschäfte wieder geöffnet sind. Die Wertminderung der Ware für die Saison Frühjahr/Sommer 2020 wird mit über 50 Prozent ermittelt. Für die Saison Herbst/Winter 2020/21 wird mit einem Umsatzrückgang von rund 20 bis 30 Prozent gerechnet, Anpassungen der Limitplanungen sind von jedem Händler dringend vorzunehmen. Erwarten müssen wir auch Lieferunsicherheit bei Lieferanten durch Stornierungen und Lieferterminverschiebungen von Modellen, welche dringend benötigt werden.

Gefahr von valutierter Ware: Man erreicht kurzfristig eine Reduzierung der Kapitalbindung, diese führt aber häufig nach Auslaufen der Valutafrist zu Doppelzahlungen.

Kalkulation Schuhhandel in Österreich: Durch internationalen Online-Handel (großteils preisgetrieben) und Aufnahme von Schuhen branchenfremder Anbieter (z.B. Textilhandel, Lebensmittelhandel, usw.) ist es eine Herausforderung für den inhabergeführten Schuhhandel, das erforderliche Umsatzniveau zu halten. Schuhpreise halten mit der Steigerung der Kosten nicht mit, umso wichtiger für Händler ist daher die Auswahl der Lieferanten nach Marktakzeptanz und Margen, um ein positives Jahresergebnis – liegt im Schnitt zwischen 3 und 8 Prozent – zu erreichen.

Welches sind Ihre Forderungen an die Politik? Wie bewerten Sie die bisherigen Finanzhilfen in Österreich?

Ich hoffe, die Zusagen, dass kein Unternehmen durch die Krise seine Existenz verliert, werden eingehalten. Zumindest bis Mitte 2021 wird mit Umsatzrückgängen gerechnet. Die staatlich garantierten Überbrückungskredite bis maximal fünf Jahre wurden oft beantragt, bisher sind aber noch keine Auszahlung bekannt. Das Kurzarbeitsmodell  wurde sehr gut angenommen. Mietkostensenkung, -aussetzung, oder -stundung waren teilweise erfolgreich. Die Aussetzung bzw. Reduktion oder Stundung von Einkommenssteuern, Sozialversicherungsbeiträgen war durchweg zufriedenstellend. Geld aus dem Härtefall-Fonds für EPU und Kleinstunternehmer (nicht rückzahlbar) bis zu 6.000 Euro für maximal drei Monate wurde bereits an viele Antragsteller ausbezahlt.

Wie lauten Ihre wichtigsten Empfehlungen an den Handel, mit der Krise umzugehen?

Keine Preisschlachten, denn noch gesunde, zukunftsfähige Unternehmen werden so zusätzlich nachhaltig geschädigt. Händler sollten sämtliche Finanzhilfen beantragen und Planungen und Maßnahmen bis Mitte 2021 definieren. Mit den Lieferanten sollten Gespräche über eine Erhöhung der Handelsspanne geführt werden. Den Kunden sollte man zeigen, dass man sich freut, wieder für sie da sein zu dürfen. Ansonsten sollte man Zuversicht und Hoffnung für die Zukunft an den Tag legen und alles unternehmen, damit wir die Krise so schnell wie möglich beenden.