Der Wholesale-Vertrieb läuft uneingeschränkt weiter

Der Wholesale-Vertrieb läuft uneingeschränkt weiter

Die Kanz Financial Holding GmbH (KFH) mit Sitz in Pliezhausen bei Stuttgart hat für sich und ihre Gesellschaften beim Amtsgericht Tübingen einen Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte bestellt. Die Unternehmen der Holding vertreiben weltweit Bekleidung, Accessoires und Spielzeug für Babys, Kinder und Teens. Zudem ist das Stuttgarter Traditionsgeschäft Spielwaren Kurtz ein Teil der KFH.

Endgültiger Auslöser der Insolvenzanträge seien u.a. auch die massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die KFH, teilte das Unternehmen mit. Der Geschäftsbetrieb an den über 40 Verkaufsstellen sei derzeit aufgrund der vom Land Baden-Württemberg verhängten Restriktionen stillgelegt. Mit den Schließungen verbunden sei ein hoher Umsatzeinbruch bei nahezu gleichbleibenden Kosten. Die Krise treffe die KFH in einer Phase, in der sie sich neu aufstellen musste, da mit der Steiff- und Marc O’Polo Junior-Lizenz wichtiges Lizenzgeschäft weggefallen sei. Hinzu komme, dass der Markt für Baby- und Kinderbekleidung seit einigen Jahren erheblichen Verschiebungen ausgesetzt sei. Gleichzeitig stiegen Produktionskosten und Mieten und sorgten somit für einen sinkenden Umsatz und geringere Margen. Dies habe die Unternehmen vor immer größere finanzielle Schwierigkeiten gestellt. In Krisensituationen wie der aktuellen Corona-Pandemie fehlten der KFH und ihren Gesellschaften daher die Mittel, um einen dauerhaften Umsatzeinbruch kompensieren zu können.

Von den Insolvenzanträgen betroffen sind die Gesellschaften Kanz Financial Holding GmbH, Junior Brands Group GmbH, Kids Fashion Group GmbH & Co. KG sowie Kids Retail Group GmbH mit den Tochterunternehmen S&D GmbH, Spielwaren Kurtz GmbH und Build a Bear Deutschland GmbH.

Derzeit verschafft sich der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl mit seinem Team einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der KFH mit ihren Gesellschaften. Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb der auf Kindertextilien und Spielwaren spezialisierten Gesellschaften sowie der Holding zu stabilisieren und neu auszurichten. Dabei liegt zunächst ein verstärkter Fokus auf der Sicherung des Großhandels. Wann die über 40 eigenen Einzelhandelsfilialen der Kids Retail Group GmbH wieder eröffnen, ist aufgrund der Corona-Restriktionen noch nicht abzusehen.

Die rund 420 Mitarbeiter in den deutschen Gesellschaften erhalten derzeit aufgrund der Corona-Pandemie ihre Löhne und Gehälter über das Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit. Die Beschäftigten wurden in einer Rundmail über die Insolvenz sowie die weiteren Schritte informiert. „Es sind außergewöhnliche und schwere Zeiten für alle Beteiligten, aber das Management, die Berater, unser Team und ich werden alles versuchen, um die KFH und ihre Gesellschaften bestmöglich zu erhalten und für sie eine Zukunftslösung zu finden. Hierzu werden wir umgehend mit allen wesentlichen Beteiligten Gespräche führen und Lösungen ausloten“, sagt Tobias Wahl.