Während der Corona-Pandemie wurde weniger gereist. Darunter litt die Kofferindustrie besonders.

Exporte der deutschen Leder- und Kofferindustrie steigen

Exporte der deutschen Leder- und Kofferindustrie steigen

Der anhaltende Lockdown bis weit in das erste Halbjahr 2021 mit den einhergehenden staatlichen Maßnahmen wie der Schließung des stationären Fachhandels ermöglichte der deutschen Lederwarenindustrie keine spürbare wirtschaftliche Erholung gegenüber 2020. Dies sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) Manfred Junkert anlässlich der Messe ILM in Offenbach.

Die Verkaufserlöse der Branche gingen im ersten Halbjahr 2021 noch einmal um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. In den ersten sechs Monaten betrug der Gesamtumsatz 273,2 Millionen Euro. Ein Großteil der Verkaufserlöse der Lederwaren- und Kofferhersteller wird in Deutschland erwirtschaftet, wo der stationäre Fachhandel besonders hart und lange von den Beschränkungen betroffen war. Bei vielen Herstellern hätte die existenzbedrohende Situation unter anderem durch Kurzarbeit und durch die Sonderabschreibungsmöglichkeit für Saisonware für Hersteller im Rahmen der Überbrückungshilfe III abgewendet werden können.

Es ist aber nicht nur die Schließung des Fachhandels, die der Industrie zu schaffen machte, sondern auch andere pandemiebedingte Einschränkungen, wie beispielsweise Reisebeschränkungen. Aufgrund des langen Lockdowns im ersten Halbjahr 2021 sind die Passagierzahlen an den deutschen Flughäfen um 86 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 eingebrochen. Der Tourismus lag im ersten Halbjahr 2021 am Boden. Es gab in den ersten sechs Monaten von 2021 65,7 Prozent weniger Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, weshalb sich die Nachfrage nach Reisegepäck besonders stark verringert hat. Weiterhin werden und wurden viele Veranstaltungen und Anlässe abgesagt oder verschoben, was die Nachfrage nach anlassbezogenen Produkten wie edlen Handtaschen verringert.

Laut den amtlichen Statistiken ist die Beschäftigtenzahl in der Lederwaren- und Kofferindustrie im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 um 15,4 Prozent auf 901 Mitarbeiter gesunken. Diese Angaben beziehen sich auf die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Die tatsächliche Zahl der Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie liegt mit schätzungsweise 2.700 Personen weitaus höher.

Außenhandel wächst

Im ersten Halbjahr 2021 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von fast einer Milliarde Euro (993 Millionen Euro) aus Deutschland exportiert. Dies entspricht einem Anstieg von 11,8 Prozent. Die wichtigsten Abnehmerländer waren die Schweiz, Frankreich und Polen. Die Einfuhren stiegen um 0,7 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro. Dabei gab es unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Produktgruppen. Während der Einfuhrwert von Ledertaschen um 15,1 Prozent auf 70,1 Millionen Euro anstieg, ging der Einfuhrwert von Kunststoffkoffern um 40,0 Prozent auf 62,9 Millionen Euro zurück. China bleibt mit Importen im Wert von 570 Millionen Euro (minus 9,4 Prozent) wichtigster Lieferant.