Nach positivem Jahresstart kommt Wachstum seit Mai ins Stocken

Nach positivem Jahresstart kommt Wachstum seit Mai ins Stocken

Der Schuheinzelhandel hat in den ersten Monaten dieses Jahres eine dynamische Aufholjagd hingelegt. Dennoch verlief das erste Halbjahr insgesamt eher durchwachsen. Zu Beginn des Jahres setzte die Branche ihren Erholungskurs fort, der mit dem Ende der rigiden Corona-Restriktionen im vergangenen Jahr begann. Bis einschließlich Mai verbuchten die Schuhgeschäfte ein kräftiges Umsatzplus gegenüber dem Jahr 2021 mit monatlichen zwei- bis sogar dreistelligen Wachstumsraten. Dieser ausgesprochen positive Verlauf kam dann aber im Laufe des Monats Mai ins Stocken, als die Konsumstimmung als Folge des anhaltenden Ukraine-Kriegs und den dadurch ausgelösten Energie- und sonstigen Preissteigerungen spürbar verschlechterte.

Seitdem befindet sich die Branche in schwierigem Fahrwasser. Seit Juni liegen die monatlichen Umsätze deutlich im Minus, wobei in den entsprechenden Vorjahresmonaten der Schuhhandel nach dem Ende des Lockdowns von erfreulichen Nachholeffekten der Konsumenten profitierte. So wäre der hohe Vorjahresumsatz im Juni mit fast 20 Prozent Umsatzwachstum in 2021 auch unter normalen Umständen in diesem Jahr wohl nicht wieder erreicht worden.

Insgesamt schloss der stationäre Schuheinzelhandel nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes das erste Halbjahr mit einem Plus von rund 60 Prozent zum Vorjahr ab. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 bedeutet das für die Schuhgeschäfte allerdings im Durchschnitt noch immer ein Minus von etwa 10 Prozent.

Wobei die Entwicklung innerhalb der Schuhbranche sehr heterogen ist. Zahlreiche kleine und mittlere Schuhhäuser schlossen das erste Halbjahr eher zwischen 15 und 20 Prozent Umsatzminus zum Vergleichsjahr 2019 ab, insbesondere in strukturschwachen Regionen. Offenbar konnten aber eine ganze Reihe größerer Filialisten und gut aufgestellter inhabergeführter Schuhgeschäfte deutlich stärker aufholen – teilweise auch aufgrund eines hohen Onlineanteils, den sie in Zeiten von Lockdown und starken Zugangsbeschränkungen stark ausgebaut hatten.

Onlinevertrieb schwächelt auf hohem Niveau

Allerdings tat sich der Online-Vertrieb mit Schuhen im laufenden Jahr schwerer. Hohe Vorlagen aus 2021 und die Wiedereröffnung des stationären Handels führten im E-Commerce zu Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahr. Selbst die großen Online-Pure-Player mussten überwiegend und zum Teil erstmals in ihrer Unternehmensgeschichte Erlöseinbußen hinnehmen. Aber auch der Online-Verkauf des stationären Schuhhandels war im ersten Halbjahr – wenngleich auf hohem Niveau – rückläufig. Denn die Kunden änderten ihre Einkaufsgewohnheiten und suchten nun wieder stärker den stationären Handel zum Shoppen auf.

Mittlerweile sind 70 Prozent der Schuhhäuser sowohl stationär als auch online unterwegs. Obgleich bei dem ein oder anderen die Online-Anteile annähernd die Hälfte des Gesamtumsatzes oder mehr ausmachen, liegt das Gros der Schuhgeschäfte bei überschaubaren Online-Anteilen. Obwohl die Verkäufe über den eignen Webshop, über digitale Marktplätze und diverse Social-Media-Kanäle in den vergangenen zwei Jahren kräftig gestiegen sind, verbuchen nur etwa 35 Prozent der Unternehmen des stationären Schuhhandels Online-Anteile von mehr als 10 Prozent vom Gesamtumsatz.

Der Online-Verkauf von Schuhen insgesamt, also nicht nur jener der Online-Pure Player, sondern auch des Multichannel-Schuhhandels, wuchs 2021 nach BTE-Berechnungen um 18 Prozent. Vor diesem Hintergrund haben sich die Marktanteile im vergangenen Jahr erneut stark in Richtung Online-Verkauf verschoben. Bis Ende 2021 kletterte der Onlineanteil im Schuhmarkt auf 41 Prozent (2020: 35,4 Prozent), ein Anstieg von fast 6 Prozentpunkten. Sechs von zehn verkauften Schuhpaaren gingen demnach im vergangenen Jahr also über den Kassentresen, vier Paar wurden online bestellt und ausgeliefert.

Angespannte Konsumstimmung belastet das Geschäft

Aktuell leidet der Schuhhandel unter der allgemein schlechten Konsumstimmung. Viele Kunden achten aufgrund der steigenden Energiekosten und der allgemeinen Preissteigerungen genau auf ihr Ausgabenbudget. Gerade die einkommensschwächeren Haushalte schränken ihren Mode- und Schuhkonsum derzeit ein, müssen sie doch die enormen Preiserhöhungen vor allem bei Gas und Strom irgendwie kompensieren.

Die Betriebsformen und Angebotskonzepte des Schuhhandels sind jedoch von der angespannten finanziellen Lage vieler Menschen unterschiedlich stark betroffen. Weniger anfällig ist die gehobene Mitte und das Premiumgenre. Dort ist die Kundschaft weniger preissensibel und muss sich bei ihren Ausgaben kaum bis gar nicht einschränken. Obgleich auch dort das Geld der Kunden nicht mehr ganz so locker sitzt. Anders bei den Kundengruppen mit knappem Budget, die sich viel stärker beim Konsum zurückhalten und ihre Ausgaben genau planen müssen. Dies trifft dann vor allem Schuhgeschäfte, die überwiegend dieses Kundensegment ansprechen.