Weitere fünf Gesellschaften der Gruppe nicht betroffen

Weitere fünf Gesellschaften der Gruppe nicht betroffen

Die Sioux GmbH, die das Geschäft der Sioux-Gruppe mit Fachhändlern betreibt, hat beim Amtsgericht Offenbach Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Die übrigen fünf Sioux-Gruppenunternehmen sind hiervon nicht betroffen.

Die Sioux GmbH mit ihrer Hauptniederlassung im württembergischen Walheim hat Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Offenbach angemeldet. Als vorläufiger Sachwalter wurde Thomas Rittmeister von der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte bestellt. Begleitet wird das Unternehmen vom Frankfurter Sanierungsexperten und Rechtsanwalt Christian Feketija, der die Geschäftsleitung verfahrensbegleitend als Generalbevollmächtigter unterstützt. Lewin Berner bleibt weiterhin im Rahmen der Eigenverwaltung Geschäftsführer der Sioux GmbH und CEO der Sioux-Gruppe.

Der Geschäftsbetrieb der Sioux GmbH werde uneingeschränkt fortgeführt. Dadurch sei sichergestellt, dass Sioux voll lieferfähig bleibe, dies gelte sowohl für die Vor- als auch die Nachorder, teilte das Unternehmen mit. Die übrigen fünf Sioux-Gruppenunternehmen seien „von der Insolvenz nicht betroffen und vollständig intakt und solvent, so dass wichtige Dienstleistungen weiterhin uneingeschränkt gewährleistet sind, wie zum Beispiel Kollektions-Design und -Entwicklung, Versand- und Retourenlogistik“.

„Wir waren auf dem Weg, in der Firmengruppe das beste erste Quartal seit fast einem Jahrzehnt abzuliefern, da wurde uns durch Corona quasi über Nacht der Boden unter den Füßen weggezogen“, erklärt Sioux-Geschäftsführer Lewin Berner die Krise. Nach zwei starken Monaten Januar und Februar sei das Geschäft ab März mit den Händlern (B2B-Geschäft) aufgrund des Lockdowns fast vollständig zum Erliegen gekommen und habe sich auch bis Mitte Juni nicht erholt. Die Wiedereröffnung der Ladengeschäfte hätte bei den Handelspartnern von Sioux nicht die erhofften Nachholeffekte gebracht, der überwiegende Teil der Handelskunden berichtete von aufgelaufenen Umsatzrückgängen von 30 bis 40 Prozent. Der Maskenzwang würde bei vielen Konsumenten überdies dazu führen, dass sie zurzeit überhaupt nicht mehr stationär einkaufen wollen. Viele Sioux-Händler hätten inzwischen selbst Insolvenz angemeldet, u.a. der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof und der Schuhfilialist Dielmann, oder es drohe ihnen die Zahlungsunfähigkeit. Lewin Berner befürchtet, dass sich diese negative Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2020 noch beschleunigen wird.

„Wir erleben im Moment ein Massensterben unter unseren Handelspartnern und wir gehen von perspektivisch 30 Prozent weniger Umsatz mit Händlern aus“, so Berner weiter. „Hiervon ist die Sioux GmbH, die das B2B-Geschäft der Sioux-Gruppe bündelt, in vollem Maße negativ betroffen.“ Während das Interesse an Schuhen der Marke Sioux bei Endverbrauchern weiterhin sehr hoch sei und Sioux im Online-Geschäft über den von einer unabhängigen Schwestergesellschaft betriebenen Online-Shop www.sioux.de weiterhin wachse, hätten sich die Perspektiven für die Sioux GmbH in den letzten Monaten massiv eingetrübt.

Eine geplante Finanzierung auf Basis der bestehenden Programme mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sei nicht zustande gekommen. Weiter auf die angekündigten Nachbesserungen der Kreditbedingungen oder auf den Beteiligungsfonds des Landes Baden-Württemberg zu warten, könne man aber nicht mehr, so der Geschäftsführer weiter.

„Wir haben uns schweren Herzens dazu entschlossen, 66 Jahre nach Gründung für die Sioux GmbH ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung anzumelden, um das Unternehmen dank der Möglichkeiten eines Insolvenzplanverfahrens fortzuführen. Diese Gesellschaft hat in den fast sieben Jahrzehnten allen Krisen getrotzt. Eine solche disruptive Marktentwicklung verbunden mit einer derart tiefen Verunsicherung der Konsumenten hat es niemals zuvor in der langen Firmengeschichte gegeben“, erläutert der Sioux-Geschäftsführer. Ziel des Verfahrens sei es, einen Sanierungsplan zu erstellen, der die finanzielle und operative Restrukturierung dieser Gesellschaft absichere. So wolle man möglichst schnell zusammen mit dem vorläufigen Sachwalter eine neue, nachhaltige Zukunftsperspektive für die Sioux GmbH erarbeiten.

Lewin Berner bestätigt mit Blick auf die Sioux-Gruppe: „Wir halten an der Strategie in der Unternehmensgruppe fest, die Digitalisierung voranzutreiben und uns noch stärker auf die Endkunden hin auszurichten, gleichzeitig sind wir auch zukünftig ein verlässlicher Partner des Fachhandels.“ Der geschäftsführende Gesellschafter verweist auf die starke Marke, anerkannt gute Produkte und eine motivierte und qualifizierte Mannschaft. Die wichtigsten Lieferanten hätten ebenfalls bereits zugesagt, Sioux weiter zu unterstützen. Berner gibt sich optimistisch: „Das sind die Stärken, mit denen wir auch diese Krise meistern werden.“

Über die Sioux GmbH

Sioux ist ein Traditionsunternehmen, das 1954 im schwäbischen Walheim gegründet wurde. Die Sioux GmbH beschäftigt 35 Vollzeitkräfte. Für die Sioux-Gruppe sind insgesamt rund 75 Mitarbeiter tätig. Pro Jahr werden ca. 650.000 Paar Schuhe hergestellt, die hauptsächlich in Deutschland, aber auch weltweit in über 25 Ländern verkauft werden. Zirka die Hälfte der verkauften Schuhe entfallen auf Damenkollektionen, die andere Hälfte auf Herrenkollektionen. Sioux ist anerkannter Weise der Erfinder des Mokassins in Deutschland. Die Sioux GmbH hat 2019 einen Umsatz von ca. 24 Millionen Euro erzielt und war profitabel. Lewin Berner (46) ist seit zehn Jahren Gesellschafter und CEO der Sioux-Gruppe, seit 2014 führt er die Sioux GmbH als Geschäftsführer.