Italiens Schuhindustrie ist besorgt

vom 11.11.2019

Trotz erhöhter Auslandsumsätze geht die Produktion weiter zurück

Trotz gesunkener Paarzahlen haben sich die Exporte der italienischen Schuhindustrie in den ersten sechs Monaten um 7,1 Prozent erhöht. Dies ist auf die deutlich gestiegenen Durchschnittspreis von nunmehr 47,55 Euro pro Paar (+8,2%) zurückzuführen. Diese Zahlen nannte der Herstellerverband Assocalzaturifici, der trotz der guten Exportzahlen auf zahlreiche Probleme der Branche hinweist. Der chronisch schwache Inlandskonsum bereitet der Branche ebenso Sorgen wie das Klima der Unsicherheit auf internationaler Ebene: Genannt werden die Handelskonflikte, die Verlangsamung des Wirtschaftswachstum in großen Volkswirtschaften wie China und Deutschland und die ausbleibende Erholung von Schlüsselmärkten. Dazu gehören Russland, wo nach einer Trendwende im Jahr 2018 erneut Rückgänge von über 15 Prozent zu verzeichnen sind, und Großbritannien, wo nach wie vor Unsicherheiten wegen des Brexit bestehen.

Es mangelt zwar nicht an expandierenden Märkten mit zweistelligen Wertsteigerungen wie Nordamerika und Fernosten, aber diese Zuwächse gehen häufig mit einem Volumenrückgang einher (-4% für die USA und Kanada; -1,1% für Fernost). Infolge dessen ging die Produktion in Italien um 2,3 Prozent, wobei vor allem kleinere Unternehmen noch deutlich schwächer abschnitten.

In der italienischen Schuhindustrie bestehen erhebliche Unterschiede in der Unternehmensperformance: „Neben hervorragenden Ergebnissen für viele internationale Luxusmarken, für die eine große Anzahl von Schuhherstellern als Subunternehmer tätig ist, gibt es auch eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen, die immer noch Schwierigkeiten haben, wieder auf Kurs zu kommen und positive Trends zu erleben“, so der Assocalzaturifici-Vorsitzende Siro Badon.

Beim Inlandsverbrauch konnten als einziges Segment Sneaker zulegen (+ 0,8% Menge und + 2,9% Wert). Dafür ging der Absatz von „klassischen“ Schuhen für Männer und Frauen (-9,5% bzw. -8,3% Volumen) signifikant zurück. Das hatte zur Folge, dass die Zahl der Betriebe und der Beschäftigen weiter zurückging. Das erste Halbjahr 2019 endete mit einem Saldo von 119 Schuhherstellern (einschließlich Industrie- und Handwerksbetrieben), was einem Rückgang von 2,6 Prozent entspricht, und 492 weniger Arbeitskräften (-0,7%) im Vergleich zu Dezember 2018. Hinzu kommen Reduzierungen bei den Komponentenherstellern (-75 Unternehmen und -493 Arbeitskräfte).