Manfred Junkert (links) und Carl-August Seibel

HDS/L vermeldet alarmierende Zahlen für das Corona-Jahr 2020

HDS/L vermeldet alarmierende Zahlen für das Corona-Jahr 2020

Die Zahlen überraschen nicht: Die Verkaufserlöse der deutschen Schuhindustrie sind aufgrund der Corona-Pandemie stark rückläufig. Der Umsatz der deutschen Schuhhersteller ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 8,4 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gesunken. Rund 80 Prozent des Umsatzes wurde im Inland erlöst. Die Hersteller modischer, trendorientierter Schuhe sind von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen. „Bei den modischen Schuhherstellern gab es einen nie dagewesen Umsatzeinbruch von über 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, so der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L), Carl-August Seibel.

Ähnlich sieht es bei den deutschen Lederwaren- und Kofferherstellern aus. Ihnen brachen die Verkaufserlöse um 22,2 Prozent auf 465,3 Millionen Euro ein.

Industrie fordert Gleichstellung mit Einzelhandel

„Das Kurzarbeitergeld ist die einzige staatliche Unterstützung, die bei den deutschen Schuhherstellern wirklich ankommt.“ Durch diese Unterstützung hätten die Betriebe das Beschäftigungsniveau annähernd halten können. Die Zahl der in Deutschland Beschäftigten ging um 3,1 Prozent auf 15.540 zurück.

Rund die Hälfte der Schuh-, Lederwaren- und Modegeschäften könnte die Krise nicht überstehen, befürchtet Seibel. Dies hätte dramatische Folgen für die Hersteller von Schuhen, Lederwaren und Koffern. „Wer keine Mode im Laden mehr verkaufen darf, bestellt auch keine neue, was für die Hersteller bereits jetzt Folgen bis weit ins nächste Jahr hat. Außerdem tragen oftmals allein die Hersteller das Absatzrisiko. Dennoch schließt die Bundesregierung die heimischen Hersteller von den Überbrückungshilfen bei Saisonware und der steuerlichen Begünstigung von Kleider- und Schuhspenden aus. Wir fordern die Bundesregierung auf, angesichts der beschlossenen Lockdown-Verlängerung bis 18. April die Schuh-, Lederwaren- und Modehersteller bei den Überbrückungshilfen III dem Einzelhandel gleichzustellen.“

Exporte: Fast elf Prozent Minus

2020 wurden 293,9 Millionen Paar Schuhe mit einem Gesamtwert von 6,8 Milliarden Euro aus Deutschland ausgeführt. Im Vergleich zu 2019 entspricht dies einem Rückgang um ein Siebtel in der exportierten Paarzahl. Der Wert der ausgeführten Schuhe ist um 10,8 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro zurückgegangen. Wichtigstes Abnehmerland von Schuhen aus Deutschland ist wie in den Vorjahren Polen mit einem Exportanteil von 18,9 Prozent. Es folgen Frankreich, die Niederlande, die Slowakei und Italien. 82,3 Prozent aller aus Deutschland ausgeführten Schuhe wurden in die Länder der EU exportiert.

Über 100 Millionen Paar Schuhe weniger importiert

Im vergangenen Jahr wurden 14,0 Prozent weniger Schuhe eingeführt als 2019. Die importierte Paarzahl fiel von 739,6 auf 636,0 Millionen Paar. Der Wert der importierten Schuhe sank gleichzeitig um 7,3 Prozent auf 10,0 Milliarden Euro. Die Engpässe bei den Transportmöglichkeiten führen zu höheren Transportkosten. Der Durchschnittspreis der in Deutschland eingeführten Schuhe erhöhte sich demzufolge in 2020 um 7,8 Prozent auf 15,77 Euro.

China hat an Bedeutung als Importland für Schuhe für Deutschland verloren. 2020 ist der Anteil an importierten Schuhen aus China an allen nach Deutschland eingeführten Schuhen von 46,3 auf 42,7 Prozent gesunken. In der Paarzahl ist ein Rückgang von 20,7 Prozent auf 271,5 Millionen Paar Schuhe zu beobachten. Bei anderen wichtigen Lieferländern wie Vietnam, Indonesien und Italien fallen die Rückgänge geringer aus.

Trüber Ausblick

Die in der Corona-Pandemie vorgenommenen behördlichen Maßnahmen wie die Schließung der stationären Verkaufsstellen des Fachhandels bedeute für die deutschen Schuhhersteller den Wegfall des wichtigsten Vertriebskanals, bedauert HDS/L-Geschäftsführer Manfred Junkert. Online-Handel und Angebote wie „click & collect“ hätten die zu erwartenden Umsatzeinbußen nicht ansatzweise kompensieren könne, ergänzt Carl-August Seibel.

Zwei Drittel der deutschen Schuh- und Lederwarenhersteller rechnet 2021 mit weiteren sinkenden Umsätzen und einer noch schlechteren Ertragslage im Vergleich zum Vorjahr. „Dabei war schon 2020 ein mehr als herausforderndes Jahr“, so Junkert. Rund ein Drittel der Schuhhersteller rechnet mit Umsatzrückgängen von 31 bis 40 Prozent für die Herbst-/Wintersaison 2021/2022. 40 Prozent der an der Konjunkturumfrage teilnehmenden Schuhhersteller geht für 2021 von einem weiter zurückgehenden Exportgeschäft aus.

Erfreulicherweise gebe es mit dem Kinderschuh-, dem Sicherheitsschuh-, dem Sportschuh- und dem Orthopädiebereich oder bei Outdoorrucksäcken einige Segmente, die bisher ganz gut durch die Corona-Zeiten gekommen seien, so Seibel. „Für die Hersteller im modischen Bereich ist allerdings schon jetzt klar, dass sie weitere zwölf Monate in dieser Form nicht durchstehen würden. Dabei müssen die Hersteller viel Kreativität an den Tag legen, damit werthaltige Mode wieder zu einem gesellschaftlich relevanten und gelebten Thema wird.“