Keine Investoren für insolventes Unternehmen gefunden

Die Klingel-Gruppe steht vor dem Aus. Der in Pforzheim ansässige Versandhaus-Konzern, der im Mai Insolvenz für drei seiner Töchter angemeldet hatte, werde den Geschäftsbetrieb Ende Januar einstellen, teilte die Klingel-Gruppe jetzt mit.

Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen, Investoren für die Gruppe zu finden. Eine dauerhafte Fortführung ohne Investor-Lösung sei nicht möglich. Angesichts der schwierigen Branchen- und Unternehmenssituation seien Interessenten nicht bereit, in die Unternehmensgruppe als Ganzes zu investieren und diese auf Basis der ausgearbeiteten Sanierungskonzepte fortzuführen. Es gebe nur einige Interessenten für einzelne Marken und Onlineshops der Klingel-Gruppe. Hierzu liefen Gespräche über den Kauf etwa von Markenrechten, Onlineshops und Kundenlisten.

Die mehr als 1.300 verbliebenen Mitarbeiter der K – Mail Order GmbH & Co. KG seien über die Entscheidung des Gläubigerausschusses informiert worden. Die Verantwortlichen hätten in den vergangenen Tagen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geführt und einen Sozialplan sowie Interessenausgleich abgeschlossen. „Diese Entscheidung ist uns allen nicht leichtgefallen, aber es gibt leider keine Alternative“, erklärte die Geschäftsführung.

Im 100. Jahr nach seiner Gründung hatte der vor allem für Mode bekannte Versandhändler im Mai ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angemeldet. Als Gründe für das Sanierungsverfahren wurden unter anderem die deutliche Konsumzurückhaltung seit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine, erheblich gestiegene Kosten etwa für Katalogproduktion und -versand sowie eine notwendige Umstellung der IT-Systeme im zweiten Halbjahr 2022 genannt.

Trotz erheblicher Kostenreduktionen erziele die Gruppe weiterhin Verluste. Da die in 2023 eingeleiteten Maßnahmen überwiegend erst in 2024 wirken würden, sei im aktuellen Geschäftsjahr kein Break-even zu erreichen. Von der rückläufigen Branchenentwicklung sei man mit einem zweistelligen Umsatzrückgang überproportional betroffen. Die Umsatzerlöse der Gruppe lagen im noch mit positivem Ergebnis abgeschlossenen Jahr 2021 bei knapp einer Milliarde Euro.

Zu den Marken der Firmengruppe zählen Klingel, Wenz und Mona für Damenmode, die Männerbekleidungsmarke Babista, der Schmuckanbieter Diemer, die Plus-Size-Modeanbieter Happysize, Miamoda und Meyermode sowie der Schuh-Versender Vamos und die Gesundheitsmarke Wellsana. Nicht betroffen von der Entscheidung sei die Schneider GmbH & Co. KG. Diese Gesellschaft sei ebenfalls in einem Eigenverwaltungsverfahren. Hier liefen Gespräche mit möglichen Investoren zum Erhalt.

Das vom Amtsgericht Karlsruhe am 1. August 2023 eröffnete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung läuft weiter und der Geschäftsbetrieb wird bis Ende Januar 2024 fortgesetzt. Geschäftsführer Dr. Sven Axel Groos und CDO Sven Christian Andrä werden das Unternehmen verlassen. CRO Marcus Katholing und CFO Cord Henrik Schmidt werden die Klingel-Gruppe in den kommenden Monaten leiten.