Schweizer Schuhhändler reduziert das Filialnetz massiv

Schweizer Schuhhändler reduziert das Filialnetz massiv

Der Schweizer Schuhhändler Vögele Shoes hat den drohenden Konkurs vorerst abgewendet. Das Kreisgericht See-Gaster hat dem Unternehmen aus Uznach den Mitte Juni gestellten Antrag auf Nachlassstundung gewährt. Die krisengeplagte Firma hat damit noch einmal vier Monate Zeit, die Sanierungsmaßnahmen umzusetzen und das Unternehmen zu retten. Die Nachlassstundung läuft bis zum 13. Februar 2023. Das Verfahren ähnelt einem Schutzschirmverfahren in Deutschland.

„Es besteht aus Sicht der Sachwalterin und des Gerichts Aussicht, dass die Karl Vögele AG saniert werden kann und mit ihren Gläubigern eine Einigung bezüglich der Schuldenlast erzielt“, so Verwaltungsratspräsident Christian Müller. Dadurch bliebe die Traditionsmarke Vögele Shoes erhalten und die Gläubiger erhielten mehr als bei einer sofortigen Konkurseröffnung. Sachwalterin ist die Baur Hürlimann AG.

Seit dem Antrag auf eine provisorische Nachlassstundung im Juni hat Vögele 51 Filialen geschlossen. Aktuell befinden sich laut Präsident Müller noch 28 Filialen im Portfolio der Firma. Vor fünf Jahren waren es noch mehr als 260 gewesen. Seit dem 13. Juni wurden 235 Stellen gestrichen. 180 Arbeitsplätze blieben erhalten.

Bis zum Frühjahr 2023 will das Management Vögele Shoes wieder „auf eine unternehmerisch und ökonomisch nachhaltige Basis stellen, wenngleich in deutlich kleinerem Format“. Man sei aktuell auf gutem Weg, die Umsätze weiter zu stabilisieren, sagte Müller. Ab dann soll es in den bestehenden Filialen mit einem attraktiven Sortiment und dem richtigen Marketing wieder vorwärtsgehen.

Wie viele Filialen bis dahin noch übrig sind, hänge von der Entwicklung und den laufenden Gesprächen mit den Vermietern ab und könne sich „noch punktuell ändern“, so Müller. Das Ziel sei aber nicht ein Abbau, sondern die Konsolidierung des Unternehmens – „und mittelfristig sogar punktueller Aufbau. Dafür brauchen wir die notwendige Zeit im Rahmen des offiziellen Nachlassverfahrens, das uns der Staat zur Verfügung stellt.“

Die jüngste Geschichte des Unternehmens ist turbulent. Im Juni 2018 wurde Vögele Shoes an die polnische CCC Group verkauft. Zum Konzern gehörten auch die Schuhketten Bingo Shoe-Discount und Max Shoes. CCC erwarb über seine Tochtergesellschaft NG2 Suisse GmbH für rund 8,5 Millionen Euro 70 Prozent des Unternehmens. Doch CCC wurde mit dem Schweizer Unternehmen nicht glücklich und verkaufte es letztes Jahr weiter an die CM.Shoes GmbH, die seither 100 Prozent der Anteile besitzt.

Damals sollten die noch verbliebenen 116 Schuh-Shops finanziell stabilisiert und so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten werden. CM.Shoes wollte die Gruppe „in eine noch stärkere digitale Zukunft führen“, hieß es. Vögele Shoes hatte bereits vor der Coronakrise mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Durch die Coronapandemie und die damit verbundenen Lockdown-Schließungen erlebte es jedoch einen zusätzlichen Dämpfer. Die CM Shoes-Tochter CM Sports GmbH hatte erst kürzlich den deutschen Schuhfilialisten Reno übernommen.